begreife dieses neue Projekt als Chance, will es mitgestalten und daran teilhaben, dass es ein Erfolg wird.‘ „Wir reden hier nicht von einem blinden Optimismus. Wir schauen genau hin und gewinnen auch Sicherheit, indem wir uns mögliche künfti- ge Probleme vorstellen und uns Lösungen dafür überlegen.“ Selbst nach einem Tief- schlag fragt der zuversichtliche Kollege: „Und was probieren wir als Nächstes?“ So motiviert er auch sein Team und reißt es mit. Zuversichtliche Menschen bleiben handlungsfähig, suchen Lösungen und Alternativen und werden kreativ. Naugh- ton ergänzt: „Studien zeigen, dass zuver- sichtliche Teams stressresistenter sind und bessere Lösungen entwickeln, weil sie ihre Energie nicht mit Grübeln verschwenden, sondern ins Handeln investieren.“ ZUTRAUEN DURCH ERFAHRUNG Zutrauen ist hingegen eine Frage davon, wie sehr ich an meine Selbstwirksamkeit glaube. Wir alle kennen den Moment, in dem wieder eine Veränderung kommt: ein neues Programm, ein Projekt mit ganz neuen Parametern – alles erscheint schwierig. Jetzt entscheidet wieder die in- nere Haltung. Hierbei kann es helfen, sich daran zu erinnern, was man schon alles geschafft hat. Welche Herausforderungen man schon aktiv und mit viel Energie ange- gangen ist und trotz einiger Stolpersteine gemeistert hat. „Die Forschung zeigt: Wer sich selbst etwas zutraut, bleibt motivierter, ist belastbarer und hat mehr Freude an der Arbeit“, sagt Naughton. Für das Unternehmen entscheidend Gerade diese Einstellung ist für Unterneh- men von größter Bedeutung: „Zutrauen ist die Basis für Veränderungsbereitschaft und Innovation.“ Denn nur wer an die eigene Gestaltungskraft glaubt, probiert Neues aus und treibt Wandel voran. „In Zeiten der Transformation ist Zutrauen deshalb kein Luxusgut, sondern eine Kernkompetenz – für jeden von uns und für uns alle gemein- sam“, schließt er. ROBUSTHEIT MACHT ZUKUNFTSFÄHIG Nelson Mandela sagte einmal: „Ich verliere nie. Entweder ich gewinne oder ich lerne.“ Dieses Zitat des Friedensnobelpreisträgers steht für eine außergewöhnliche Robust- heit. Selbst nach einem langen Gefängnis- aufenthalt verlor er sie nicht. Herunterge- brochen auf unsere Arbeit heißt das: Egal, was wir tun oder neu angehen, es wird im- mer Rückschläge geben. Wie wir mit ihnen umgehen, ist entscheidend. Versinken wir im Frust und werden passiv oder versu- chen wir, Rückschläge als Sprungbrett zu nutzen, aus Fehlern zu lernen und uns zu verbessern? Wandel ist selten geradlinig Robustheit ist laut Naughton ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit eines Unterneh- mens. Tiefschläge lassen sich mit Robust- heit aushalten und sogar proaktiv nutzen. „So bleiben wir als Team handlungsfähig – selbst in stürmischen Zeiten“, sagt er. REALISTISCHER OPTIMISMUS STÄRKT TEAMS Wer Rückschläge eher äußeren Umstän- den zuschreibt, betrachtet sie als vorü- bergehend und kann optimistischer in die Zukunft blicken und aktiv werden. „Gera- de in Teams ist realistischer Optimismus wichtig“, sagt Naughton. Er wirkt wie ein Stimmungsanker: Wenn die anderen zwei- feln, erinnert er sie daran, dass Fortschritte möglich sind. So bleibt die Balance zwi- schen nüchterner Analyse und motivieren- dem Zukunftsblick erhalten. „Führungskräf- te, die realistischen Optimismus vorleben, schaffen eine Atmosphäre, in der Mitarbei- tende auch in schwierigen Zeiten Vertrau- en und Orientierung finden“, so Naughton. Für ihn ist realistischer Optimismus die Haltung, die Wandel trägt. Sie verbindet Klarheit mit Hoffnung und Realitätssinn mit Tatkraft. „Und genau das brauchen wir, um mutig, entschlossen und erfolgreich in die Zukunft zu gehen.“ DREI FRAGEN AN HANS RUSINEK, der an der Universität St. Gallen promoviert hat und dort bis heute zum Wandel unserer Arbeitswelt forscht. Herr Rusinek, Sie setzen sich für eine bessere Zukunft der Arbeit ein. Sagen wir, ich befände mich mit meiner Arbeit in einer Krise. Was sollte ich tun? Zunächst gilt: Krisen haben immer auch eine positive Seite. Sie sind oft der Anstoß für Verände- rungen. In Ihrem Fall rate ich zu einem offenen Gespräch mit dem Vorgesetzten. Das Gespräch ist unsere beste „Reparatursoftware“. Erläutern Sie differenziert, warum Sie frustriert sind und welche Leistungen Sie für das Unternehmen erbringen könnten. Geben Sie Ihrem Chef dann mindestens drei Monate Zeit zu reagieren. Er wird etwas tun. Solch ein Gespräch erfordert Mut ... Das stimmt, aber Sie haben nur etwas zu gewinnen. Sie verbringen etwa ein Drittel Ihrer Zeit mit Arbeit. Dieses Drittel sollte auch sinnstiftend sein. Studien zeigen, dass Menschen, die in ihrem Job einen Sinn finden, bessere Leistungen erbringen, mehr Wertschätzung erfahren und auch im Privatleben viel ausgeglichener und glücklicher sind. Es gibt Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen. Das oft beschriebene Modell – ich gehe zur Arbeit, reiße dort meine Zeit ab, um Geld zu verdienen, und lebe mein wahres Leben im Privaten – funktioniert nicht. Wenn wir bei unserer Arbeit nichts mehr fühlen, dann geht es uns so auch im Privatleben. Der Mensch kann sich nicht zweiteilen. Mutige Mitarbeitende sind für Unterneh- men von sehr großem Wert. Warum? In einem Experiment wurden Studierende in ein Wartezimmer gesetzt, in dem sich langsam Qualm ausbreitete. Als die Probanden in der ersten Anordnung jeweils allein in dem Raum saßen, verließen sie ihn schnell, um sich vor einem scheinbaren Hausbrand in Sicherheit zu bringen. In der zweiten Anordnung wurden immer Dreiergrup- pen ins Wartezimmer geführt. Wieder qualmte es, doch nun verging sehr viel mehr Zeit, bis einer von ihnen Hilfe holte. Jeder verlässt sich auf den anderen – und am Ende kann es zu spät sein, bis jemand auf ein Problem aufmerksam macht. Deshalb: Seien Sie mutig und schreiten Sie voran! 03.2025 | Xpress 13