Jeden Monat 100 Tonnen Zukunft
In Brunsbüttel produziert die Business Unit Rhein Chemie jeden Monat das nachhaltige Alterungsschutzmittel Vulkanox@ HS Scopeblue@ für den Reifenhersteller Continental.
Betriebsleiter Markus Oberthür nimmt sich zurück. Es sei alles eine Teamleistung gewesen. Denn um das Hauptprodukt des Betriebs, Vulkanox@ HS, als Scopeblue@-Produkt zu produzieren, war sehr viel Vorarbeit nötig. Erst musste geklärt werden, ob es Aceton als nachhaltigen Rohstoff in ausreichender Menge gibt. Dannn musste sich der Betrieb einem bestimmten Auditierungsprozess unterziehen. Und der bedeutete sehr viel zusätzliche Arbeit – mehr als 400 Arbeitsstunden. Als der Betrieb dann die ISCC-PLUS-Zertifikate endlich in der Tasche hatte, fehlten nur noch die Kunden.
„Unser BU-Leiter Jens-Hendrik Fischer hat hier unternnehmerischen Mut bewiesen“, sagt Oberthür. „Wir wussten, dass die Reifenindustrie grundsätzlich an nachhaltigen Materialien interessiert ist, doch wir hatten keine konkreten Aufträge.“ Und so versendeten sie rund ein Dutzend Muster an interessierte Kunden. „Alles, was mit Reifen zu tun hat, wirft immer auch Sicherheitsfragen auf. Wir mussten sehr genau nachweisen, dass sich unser Scopeblue@-Produkt technisch in nichts vom konventionellen Vulkanox@ HS unterscheidet“, sagt Oberthür. Das Alterungsschutzmittel macht rund zwei Prozent des gesamten Reifens aus. „Trotz dieser geringen Menge wird kein Reifen ohne diesen Zusatz produziert“, erläutert Oberthür. Sie würden sonst zu schnell ihr Sicherheitsprofil verlieren. Der große Reifenhersteller Continental gab rasch eine positive Antwort. 100 Tonnen ordert er nun vertraglich abgesichert jeden Monat. Geliefert wird das Ganze in ein großes Werk in der Slowakei.
Continental hat sich auf die Fahnen geschrieben, bis 2050 komplett nachhaltige Reifen zu produzieren. „Und so weit ich das sehe, sind wir die Einzigen, die ein nachhaltiges Alterungsschutzmittel anbieten“, so Oberthür. Ein weiterer Vorteil des LANXESS-Produkts ist: Der Hersteller muss an seinen Prozessen nichts verändern. Er kann das im Massenbilanzverfahren hergestellte Produkt direkt einsetzen.
Der Auftrag freut das 63-köpfige Team von Oberthür: „Sie sind stolz, etwas zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz beizutragen.“ Bei der Beschaffung des nachhaltigen Rohstoffs Aceton – er macht 55 Prozent des Gesamtprodukts aus – gibt es auch keine Probleme. Er wird aus Fettresten im Lebensmittelbereich gewonnen. „Wir könnten auch die doppelte Menge produzieren“, sagt er. Zusätzlich nutzt der Betrieb in Brunsbüttel auch erneuerbare Energien in der Produktion. Insgesamt verringert sich so beim Scopeblue@-Produkt der CO2-Fußabdruck um 30 Prozent im Vergleich zum konventionell hergestellten. Oberthür hofft, dass mit dem Auftrag von Continental ein Knoten geplatzt ist und auch noch andere Kunden dem Beispiel folgen.
Einen Wermutstropfen gibt es doch: Nadja Stucke, die zweite Betriebsleiterin, die sehr viel Arbeit in das Projekt gesteckt hatte, hat den Erfolg mit Continental nicht vor Ort miterlebt. „Dabei verdanken wir ihr sehr viel“, sagt Oberthür. Sie hat sich gerade um ein anderes, recht wichtiges Projekt zu kümmern – sie ist in Elternzeit.