Clever abgespeichert
Mit Eisenphosphat als Vorprodukt für LFP-Kathodenmaterialien ist die BU IPG einer der wenigen westlichen Anbieter weltweit.

Eines ist sicher: Wo Strom erzeugt und gebraucht wird, sind Speicher notwendig. Seien es Windkrafträder, Solaranlagen oder eben auch Elektroautos – China hat in diesem Punkt die Nase vorn und überschwemmt mit seinen Batterien die Welt. „Wir wollen mit unseren Eisenphosphaten als Vorprodukten in der Batterietechnologie unseren Beitrag leisten, diese Abhängigkeit zu verringern“, sagt Murat Gürsoy, Innovationsleiter der Business Unit IPG. Er schätzt das wirtschaftliche Potenzial der Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) als sehr groß ein: „Wir wären hier einer der wenigen westlichen Anbieter.“

Nachhaltige Batteriematerialien 
Das überzeugte die LIVE-Jury,. Das Forschungsprojekt wird nun bis 2028 finanziell gefördert. Die Jury begründet das so: „Das Projekt verschafft LANXESS einen strategischen Vorteil auf dem schnell wachsenden Markt für LFP-Batterien und positioniert den Konzern als Pionier für nachhaltige Batteriematerialien.“

Derzeit ist Gürsoy mit seinem Team noch in der Entwicklungsarbeit. „Wir testen unsere Muster zunächst im kleinen Rahmen und anschließend in unseren Pilotanlagen. Danach versenden wir sie an unsere potenziellen Kunden. Deren Feedback ist für uns sehr wichtig.“ Für diese Arbeit – testen, analysieren, modifizieren – ist Zeit und natürlich auch Expertise gefragt. Doch Gürsoy ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir 2027 die ersten Mengen produzieren können.“ Das Interesse sei groß. Bisher gibt es – soweit bekannt – auch auf dem nordamerikanischen Kontinent keinen Eisenphosphat-Hersteller mit signifikanten Kapazitäten. 

Eisenphosphat besteht aus Eisen und Phosphor, die beide für die Umwelt unbedenklich sind und unproblematisch verfügbar sind – im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten Vorprodukten für Lithium-Ionen-Batterien, die aus Nickel, Kobalt und Mangan bestehen. „Der größte Nickellieferant ist Russland, Kobalt wird unter fragwürdigen Bedingungen im Kongo abgebaut und die EU hat Mangan 2023 erneut als kritischen Rohstoff für die Batteriechemie eingestuft“, so Gürsoy. Zudem bieten LFP-Batterien große Vorteile im Bereich der Sicherheit: Sie sind beispielsweise nicht so schnell entflammbar. 

Vorbildliches organisches Wachstum Die Produktion von Eisenphosphat würde vorerst in Krefeld-Uerdingen stattfinden. Dieser Bereich der Batteriechemikalien ist für die BU IPG ein neues Geschäftsfeld und könnte für ein vorbildliches organisches Wachstum innerhalb des Konzerns stehen. Auch neue Geschäftsstrukturen müssten geschaffen werden, etwa im Marketing- und Vertriebsbereich. 

Gürsoys Optimismus basiert auf Fakten: Auch wenn der Absatz von Elektrofahrzeugen derzeit schwächelt, entwickelt sich der Markt für stationäre Speicherstationen sehr positiv. Zudem hat die EU durch diverse Förderprogramme und Äußerungen deutlich gemacht, dass sie unabhängig von chinesischen Herstellern werden möchte. Dem Projekt kämen nun auch die hohen Zölle zugute, die für chinesische Produkte in den USA anfallen. „Wir stehen bereits mit US-Herstellern in Kontakt, die sich für unsere Forschung interessieren“, so Gürsoy.