E-Auktionen bei MPP
Durch Dranbleiben überzeugt
Mauricio Buchdid berichtet:
Seit
rund zehn Monaten versuche ich, die elektronischen Auktionen mehr und
mehr zu etablieren. Anfangs hatte ich große Schwierigkeiten, Lieferanten
hier in Brasilien zur Teilnahme an meinen E-Auktionen zu bewegen. Viele
arbeiten nach einem „monatlichen Preislisten-
modell“ und haben noch
nie Erfahrungen mit elektronischen Auktionen gemacht. Ich musste viel
Überzeugungsarbeit leisten und ihnen das dafür notwendige Wissen
möglichst einfach vermitteln. Das war eine große Herausforderung.
Andererseits haben die Lieferanten durch diese Tools auch Vorteile: Sie
erhalten viel mehr Möglichkeiten, Aufträge zu bekommen. Gleichzeitig
nimmt natürlich auch der Druck zu, von anderen Unternehmen unterboten zu
werden und die eigenen Preisvorstellungen senken zu müssen.
Unterschiedliche Typen
Uns stehen verschiedene Arten von E-Auktionen zur Verfügung, wobei wir die
Reverse-E-Auktion
am häufigsten verwenden. Dabei legen wir einen Höchstpreis fest und
mehrere Wettbewerber geben absteigende Gebote ab, um den Auftrag zu
erhalten. Dies ist eine flexible Lösung. Während der Auktion können die
Lieferanten ihre Gebote und ihre Position online einsehen. In der Regel
kennen die Lieferanten ihre Rangfolge, aber nicht die tatsächlichen
Gebotspreise ihrer Wettbewerber. Der große Vorteil dieser Auktion ist,
dass wir am Ende eigentlich immer ein Angebot haben.
Etwas
ungewisser ist der Ausgang bei der Dutch-Auction-Strategie. Wir setzen
sie in der Regel bei einer geringeren Anzahl zugelassener Lieferanten
ein. Hierbei beginnt die Auktion mit einem niedrigen Preis, der
schrittweise erhöht wird. Als Ausgangspreis wird der Referenzpreis des
Lieferanten sowie der Durchschnittspreis des Vorjahres herangezogen.
Doch solche Auktionen sind knifflig. Bei einer Auktion hatte ich einmal
elf Runden geplant und war sehr aggressiv vorgegangen. Doch ein
Lieferant stieg nach der zehnten Runde aus. Hier besteht also immer das
Risiko, dass es am Ende kein Angebot gibt und das Geschäft platzt. Daher
muss die Planung dieser Auktion viel entschlossener sein. Der Druck,
das Angebot anzunehmen, lastet auf beiden Seiten. Wenn ein Lieferant das
aktuelle Angebot annimmt, endet die Auktion automatisch mit einem
Gewinner.
Strategie ging auf
Aber es kann auch
gutgehen. Als ich einen Rohstoff kaufen musste, für den es nur drei
zugelassene Lieferanten gab, entschied ich mich für die
Dutch-Auction-Strategie. Im ersten Schritt forderte ich einen
Referenzpreis (RFI: Request for Information) an, um das Auktionsziel zu
definieren. Zudem hatten wir geplant, den Preis um 15 Prozent zu
reduzieren. Also legten wir unseren Mindeststartpreis fest. Mit jedem
Gebot erhöhten wir unser Angebot schrittweise, und der Lieferant hatte
Zeit, es anzunehmen oder abzulehnen. Am Ende waren wir mit dem Ergebnis
sehr zufrieden. Wir konnten den Preis um elf Prozent gegenüber dem
Referenzpreis und sogar um 18 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen
Materialpreis von 2024 senken.
Aufwändige Vorarbeit
Die
Vorbereitung dieser Auktion war jedoch aufwändig. Zunächst mussten wir
die drei Lieferanten über diese andere Form der E-Auktion aufklären. Wir
haben uns mit jedem Lieferanten zu einem Gespräch verabredet, um ihn an
das Datum und die Uhrzeit der Auktion zu erinnern. Wichtig war auch,
dass auf der Lieferantenseite nur Mitarbeitende mit
Entscheidungsbefugnis an der Auktion teilnahmen. Wir legten
Auktionsregeln fest und stimmten uns mit den Stakeholdern ab. Die
Lieferanten wurden bereits in der Nutzung des Tools geschult.
Die
E-Auktionen haben bei uns in Lateinamerika zu erheblichen
Kosteneinsparungen geführt. Derzeit deckt diese Methode etwa sechs
Prozent der Gesamtausgaben des MPP-Standorts des IPEL-Portfolios ab.
Entscheidende Faktoren für das Gelingen von E-Auktionen sind folgende
Punkte: die Definition geeigneter Materialien, die Pflege eines
qualifizierten Lieferantenstamms, Schulungen, die Aufklärung der Bieter,
dieAbstimmung mit den Stakeholdern, die Festlegung klarer Regeln und
die Gewährleistung einer klaren Kommunikation.
Vor allem der
Erfahrungsaustausch hat sich für mich als äußerst wertvoll erwiesen. Ich
wurde ermutigt, diesen Weg zu gehen. Das Verständnis für den Prozess,
die Lehren aus den ersten Versuchen und die Anpassung des Konzepts an
meine spezifischen Anforderungen waren entscheidend für meinen Erfolg.
Wichtig war für mich dabei auch, dass Fragen zu den E-Auktionen,
beispielsweise zur Wahl des Typs oder zur Verwendung des richtigen
Tools, direkt vom Center of Excellence oder dem Ambassadors-Team
beantwortet wurden. So entstand eine wirklich globale Community.
Mit
den E-Auktionen gehen mehr Transparenz, Wettbewerbsfähigkeit und eine
größere Verhandlungsdynamik einher. Jetzt möchte ich noch enger mit den
Vertriebskollegen zusammenarbeiten, um Wissen und Erkenntnisse
auszutauschen. Unser Ziel ist es, eine Vielzahl von Strategien zu
entwickeln, mit denen sich neue Geschäftsmöglichkeiten für das
Unternehmen erschließen lassen.