Drei Fragen an Hans Rusinek
Er hat an der Universität St. Gallen promoviert und forscht dort bis heute zum Wandel unserer Arbeitswelt.
Herr
Rusinek, Sie setzen sich für eine bessere Zukunft der Arbeit ein. Sagen
wir, ich befände mich mit meiner Arbeit in einer Krise. Was sollte ich
tun?
Zunächst gilt: Krisen haben immer auch eine positive Seite.
Sie sind oft der Anstoß für Veränderungen. In Ihrem Fall rate ich zu
einem offenen Gespräch mit dem Vorgesetzten. Das Gespräch ist unsere
beste „Reparatursoftware“. Erläutern Sie differenziert, warum Sie
frustriert sind und welche Leistungen Sie für das Unternehmen erbringen
könnten. Geben Sie Ihrem Chef dann mindestens drei Monate Zeit zu
reagieren. Er wird etwas tun.
Solch ein Gespräch erfordert Mut ...
Das
stimmt, aber Sie haben nur etwas zu gewinnen. Sie verbringen etwa ein
Drittel Ihrer Zeit mit Arbeit. Dieses Drittel sollte auch sinnstiftend
sein. Studien zeigen, dass Menschen, die in ihrem Job einen Sinn finden,
bessere Leistungen erbringen, mehr Wertschätzung erfahren und auch im
Privatleben viel ausgeglichener und glücklicher sind. Es gibt
Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen. Das oft beschriebene Modell –
ich gehe zur Arbeit, reiße dort meine Zeit ab, um Geld zu verdienen,
und lebe mein wahres Leben im Privaten – funktioniert nicht. Wenn wir
bei unserer Arbeit nichts mehr fühlen, dann geht es uns so auch im
Privatleben. Der Mensch kann sich nicht zweiteilen. Mutige Mitarbeitende
sind für Unternehmen von sehr großem Wert.
Warum?
In
einem Experiment wurden Studierende in ein Wartezimmer gesetzt, in dem
sich langsam Qualm ausbreitete. Als die Probanden in der ersten
Anordnung jeweils allein in dem Raum saßen, verließen sie ihn schnell,
um sich vor einem scheinbaren Hausbrand in Sicherheit zu bringen. In der
zweiten Anordnung wurden immer Dreiergruppen ins Wartezimmer geführt.
Wieder qualmte es, doch nun verging sehr viel mehr Zeit, bis einer von
ihnen Hilfe holte. Jeder verlässt sich auf den anderen – und am Ende
kann es zu spät sein, bis jemand auf ein Problem aufmerksam macht.
Deshalb: Seien Sie mutig und schreiten Sie voran!