... mit Blick ins Grüne
Auch in Krisenzeiten bleibt Nachhaltigkeit im Fokus. Denn clever umgesetzt, ist sie nicht nur gut für die Umwelt, sondern kann sich auch wirtschaftlich rechnen: wenn Energie intelligenter eingesetzt wird, Nebenprodukte zu Rohstoffen werden oder altbekannte Produkte plötzlich ganz neue Zukunftsperspektiven eröffnen. Drei Projekte der BUs IPG, LPT, F&F und Saltigo zeigen, wie LANXESS Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringt.
„Wir helfen, dass Treibhausgas zum Rohstoff der Zukunft wird.“
CO₂ gilt als Problem fürs Klima. Aber was wäre, wenn daraus künftig wichtige Grundbausteine für Verpackungen, Textilien und viele andere Alltagsprodukte entstehen könnten? Genau mit dieser Frage beschäftigen wir uns im Forschungsprojekt SOFT. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir CO₂ und grünen Wasserstoff nutzen, um kurzkettige Olefine wie Ethylen und Propylen herzustellen. Sie gehören zu den wichtigsten Grundbausteinen der chemischen Industrie und werden unter anderem für die Herstellung von Polyethylen und Polypropylen benötigt – zwei Kunststoffe, die zusammen rund 45 Prozent der in Deutschland produzierten Kunststoffe ausmachen. Bisher stammen sie überwiegend aus fossilen Rohstoffen. Gelingt es, sie stattdessen aus CO₂ herzustellen, könnte das langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern. Dafür setzen wir auf die Fischer-Tropsch-Synthese. Das Verfahren wird bereits seit Langem großtechnisch eingesetzt – bislang vor allem mit Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff zur Herstellung von Kraftstoffen und Wachsen. Im Projekt SOFT verfolgen wir einen neuen Ansatz: CO₂ soll direkt als Kohlenstoffquelle dienen. Dafür entwickeln die Projektpartner leistungsfähige eisenbasierte Katalysatoren.
Neue Rolle für unsere Eisenoxide
Katalysatoren spielen in chemischen Prozessen eine entscheidende Rolle. Schon kleine Veränderungen ihrer Eigenschaften können die Effizienz eines industriellen Prozesses deutlich beeinflussen. Genau deshalb steckt in ihrer Entwicklung auch wirtschaftliches Potenzial. Für mich macht das diesen Forschungsbereich für IPG besonders spannend – denn hier kommen die Eisenoxide von LANXESS ins Spiel. Ihre gezielt einstellbaren Materialeigenschaften machen sie zu einer vielversprechenden Grundlage für neue Katalysatorsysteme.
Im Forschungsprojekt entwickeln wir maßgeschneiderte Eisenoxide, die als Vorstufe für den Katalysator dienen. Unser Partner Clariant entwickelt daraus das eigentliche Katalysatorsystem. Unterstützt wird das Projekt von der TU Bergakademie Freiberg und dem Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion. Mit der Raffinerie Heide ist außerdem ein potenzieller industrieller Anwender beteiligt, der seine Perspektive auf eine spätere Anwendung einbringt.
Für unsere Eisenoxide könnte sich damit ein ganz neues Anwendungsfeld eröffnen. Statt ausschließlich in klassischen Pigmentanwendungen könnten sie künftig dazu beitragen, CO₂ als Rohstoff für die chemische Industrie nutzbar zu machen. Besonders interessant könnte das Verfahren an integrierten Chemiestandorten sein. Dort entstehen CO₂ und Wasserstoff häufig in unterschiedlichen Prozessen. Gelingt es, diese Stoffströme miteinander zu verknüpfen, könnten daraus neue chemische Produkte entstehen.
Nach rund einem halben Jahr gemeinsamer Arbeit sind die ersten Ergebnisse bereits vielversprechend. Natürlich stehen wir noch am Anfang und müssen erst zeigen, ob sich der Ansatz später auch großtechnisch umsetzen lässt. Doch schon heute bauen wir wertvolles Know-how in einem Zukunftsfeld auf und schaffen neue Perspektiven für unsere Eisenoxide.
Für LANXESS könnte damit langfristig ein neues Kapitel beginnen: Eisenoxide, die nicht nur Farbe geben, sondern dabei helfen, CO₂ als Rohstoff für die Chemie von morgen zu nutzen.
Murat Gürsoy, Leiter Global Innovation & Application Technology, Business Unit IPG
„Wir Steuern unseren Strombedarf bald noch cleverer.“
Energieeffizienz ist für uns am Standort Bitterfeld ein wichtiges Thema. Gerade bei den aktuellen Energiepreisen schauen wir sehr genau hin: Wo können wir noch effizienter werden, wo Energie einsparen oder intelligenter einsetzen?
Ein aktuelles Beispiel ist unser neuer geplanter Batteriespeicher. Unsere Produktion läuft überwiegend in Batch-Prozessen. Je nach Auslastung und Produktionsprogramm kann unser Strombedarf deshalb stark schwanken. Der Speicher soll helfen, diese Schwankungen auszugleichen und unser Stromlastprofil zu glätten: Er nimmt Strom auf, wenn der Bedarf niedriger ist, und stellt ihn wieder zur Verfügung, wenn er steigt. Damit wollen wir die Voraussetzungen für die Rückerstattung von Netzentgelten sichern und rechnen mit einem finanziellen Effekt im mittleren sechsstelligen Bereich pro Jahr.
Neuer Industriemaßstab
Batteriespeicher kennt man inzwischen aus vielen privaten Haushalten. Für unseren industriellen Maßstab ist das bei LANXESS dagegen Neuland: Einen vergleichbaren Speicher gibt es bei uns bislang nicht. Umso spannender ist es für uns, mit diesem Projekt Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, welche Möglichkeiten sich daraus auch für andere Standorte ergeben könnten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Ausführung, die das gesamte Team vor Ort bewältigt hat, soll der Speicher noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Parallel modernisieren wir unsere Kälteversorgung. Drei unserer Kältemaschinen sind inzwischen rund 30 Jahre alt. Die erste und ineffizienteste wollen wir im Anlagenstillstand im April 2027 ersetzen. Die neue Anlage verbraucht deutlich weniger Strom, ist wartungsärmer und arbeitet mit einem Kältemittel mit wesentlich geringerem Treibhauspotenzial. Allein damit wollen wir rund 1.100 Megawattstunden Strom pro Jahr einsparen. Für das Projekt haben wir zudem eine Bundesförderung erhalten. Gleichzeitig reduzieren wir damit Risiken für die Anlagenverfügbarkeit sowie Risiken durch mögliche Kältemittelaustritte. Zwei weitere Maschinen sollen schrittweise folgen.
Für mich zeigen beide Projekte sehr schön, dass Energieeffizienz viele Facetten hat. Beim Batteriespeicher geht es nicht darum, weniger Strom zu verbrauchen, sondern unseren Strombedarf intelligenter zu steuern und den Netzbezug zeitlich zu verschieben. Bei der neuen Kältemaschine sparen wir dagegen ganz konkret Energie ein. Beides hilft uns, den Standort effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen.
Niklas Faulenbach, Ingenieur Automatisierung, Business Unit LPT
„‚One LANXESS‘ führt zu grüneren Produkten“
Unsere Kunden wollen nachhaltige Produkte – aber nicht zu jedem Preis. Genau darin liegt die Herausforderung: Wir müssen Lösungen finden, die den CO₂-Fußabdruck unserer Produkte senken und gleichzeitig wirtschaftlich attraktiv bleiben. Toluol ist dabei ein wichtiger Hebel, denn das Lösungsmittel ist für uns mengenmäßig der bedeutendste Rohstoff – mit einem entsprechend großen Einfluss auf den Product Carbon Footprint. Deshalb suchen wir schon länger nach geeigneten Bezugsquellen. Als wir erfahren haben, dass bei Saltigo Toluol anfällt, das für uns als Rohstoff infrage kommt, war für uns sofort klar: Das sollten wir genauer prüfen. Gemeinsam haben wir die wichtigsten Voraussetzungen geklärt: Passt die Qualität? Wie sieht der Product Carbon Footprint aus? Und lässt sich der Rohstoff logistisch sinnvoll einsetzen? Die Ergebnisse waren positiv: Das Toluol kann auf die von uns benötigte Qualität aufbereitet werden, die Transportwege sind kurz und wir nutzen einen Rohstoffstrom innerhalb von LANXESS. Zusätzlich wurde unser Betrieb in Uerdingen nach dem LANXESS Chain-of-Custody-Standard auditiert. Damit sind alle Voraussetzungen geschaffen, um das recycelte Toluol über einen zertifizierten Massenbilanzansatz einzusetzen.
Mich freut besonders, dass am Ende beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren: F&F erhält einen recycelten Rohstoff, kann damit den CO₂-Fußabdruck seiner Produkte reduzieren und seinen Kunden eine wirtschaftlich interessante Lösung anbieten. Perspektivisch könnten daraus zum Beispiel Scopeblue®-Varianten von Benzylalkohol oder Benzylchlorid entstehen. Saltigo wiederum kann einen vorhandenen Toluolstrom innerhalb von LANXESS sinnvoll nutzen und daraus zusätzliche Erlöse erzielen. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn wir über die Grenzen der eigenen Business Unit hinausblicken. Vielleicht gibt es bei LANXESS noch viel mehr solcher Wertstoff- und Nebenproduktströme, die für andere Bereiche interessant sein könnten. Genau danach wollen wir jetzt weiter suchen.
Anna Brehler, Sustainability Managerin, Business Unit F&F