Schneller entscheiden, schneller ins Geschäft kommen
Wie lässt sich schneller erkennen, welche Ideen wirtschaftliches Potenzial haben – und welche nicht? Mit dem zwölfwöchigen „Adrenalin-Sprint“ unterstützt Innovation Excellence die Business Units, Innovationsideen systematisch und faktenbasiert zu bewerten und schneller zu einer belastbaren Entscheidung zu kommen. Wie das geht, erlebte die Business Unit LPT mit einem ihrer konkreten Innovationsvorhaben.
Die Ewigkeitschemikalien PFAS stehen zunehmend im Fokus: Die Regulierung wird strenger, der Druck auf Kläranlagenbetreiber und Industrieunternehmen wächst. Für LPT ist das längst ein Geschäftsfeld. Doch könnte daraus mehr werden? Statt nur Lewatit-Harze für die PFAS-Entfernung zu liefern, könnte LPT seinen Kunden eine komplette Lösung anbieten – von der mobilen Anlage zur PFAS-Entfernung über den Einsatz der Lewatit-Harze bis zur Rücknahme und Entsorgung der beladenen Harze. Die einzelnen Leistungen würden von spezialisierten Partnern erbracht, beim Kunden aber aus einer Hand angeboten. Die entscheidende Frage war deshalb: Wollen Kunden eine solche Komplettlösung? Und lässt sich daraus für LPT ein attraktives Geschäft entwickeln?
Von der Geschäftsidee zum Markttest
BU-Leiter Michael Rockel wollte genau das wissen und entschied sich dafür, diese Idee im Adrenalin-Sprint prüfen zu lassen. Zwölf Wochen lang arbeitete ein interdisziplinäres Team aus Strategie, Marketing und Application der BU sowie zwei Mitarbeitende von Innovation Excellence daran, die Geschäftsidee systematisch auf den Prüfstand zu stellen. Nach einem klaren Plan wurden Annahmen überprüft, Fragen beantwortet und Erkenntnisse verdichtet. „Entscheidend ist: Eine Innovation muss unser Geschäft voranbringen“, sagt Lenz Kröck, Leiter Innovation Excellence und Initiator des Formats. Der erste Schritt führte das Team deshalb direkt zum Kunden.
Wollen Kunden alles aus einer Hand?
Nicht das Produkt, sondern die Herausforderung der Kunden stand im Mittelpunkt. „Plakativ gesagt, mussten wir herausfinden, ob die Kunden selbst die Bohrmaschine besitzen möchten, mit der sie das Loch in die Wand bohren, oder ob sie einfach nur das Bild perfekt platziert haben wollen“, sagt Sprint-Teilnehmer Björn Dinges, BU LPT. Die Antwort war eindeutig: Die Kunden wollten Ergebnisse – und damit möglichst wenig Aufwand mit den einzelnen Komponenten. Eine Lösung, bei der sie sich nicht selbst um Anlage, Betrieb und die weitere Behandlung der beladenen Harze kümmern müssen, war für sie attraktiv. Doch Interesse allein reicht nicht. Die Lösung musste auch technisch und wirtschaftlich überzeugen.
Markttest mit echtem Feedback
Deshalb entwickelte das Team einen ungewöhnlichen Markttest: Eine Website präsentierte die Komplettlösung aus mobiler Anlage und begleitendem Service so, als wäre sie bereits verfügbar. Potenzielle Kunden und Anlagenbauer konnten sich informieren und direkt Kontakt aufnehmen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Interessenten stellten konkrete Fragen – etwa zu regulatorischen Anforderungen und zum Umgang mit verbrauchten Lewatit-Harzen. „Die Reaktionen waren für uns sehr wertvoll. Aus ihnen konnten wir viel lernen“, sagt Sven Kuhlmann, Sprint-Teilnehmer, BU LPT. Die Website wurde mehrfach angepasst, Einwände flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. So wurde das Angebot konkreter.
Ein Partner für die mobile Anlage
Doch für eine Komplettlösung brauchte LPT weitere Partner. Eine zentrale Frage war deshalb: Lässt sich ein Anlagenbauer finden, der eine mobile Anlage entwickelt und später Installation und Betrieb übernimmt? Auch darauf lieferte der Markttest eine Antwort. Über die Website kam das Team mit Waterleau in Kontakt. Bei einer gemeinsamen Co-Design-Session in Belgien wurden Möglichkeiten der Zusammenarbeit sowie technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ausgelotet. Nach zwölf Wochen konnte das Sprint-Team Alexander Scheffler, Head of BD, Application & Innovation, und Matthias Hüttl, Head of Marketing & Strategy, beide BU LPT, ein validiertes Konzept vorlegen. „Normalerweise dauert eine solche Recherche innerhalb einer Business Unit deutlich länger“, sagt Kuhlmann.
Das Ergebnis: Die strategische Partnerschaft mit Waterleau wird weiter ausgebaut. Zudem führt das Team Gespräche mit weiteren Kooperationspartnern und Kunden, unter anderem in Italien. Aus einer Geschäftsidee wurde damit innerhalb von zwölf Wochen ein am Markt getestetes Konzept – mit echtem Kundenfeedback, einem möglichen Umsetzungspartner und einer klaren Perspektive für die Weiterentwicklung des Geschäfts.
Infobox
Adrenalin-Sprint
In einem genau festgelegten Zeitplan steht, wer im operativen Team was zu erledigen hat, welche Fragestellungen als Nächstes bearbeitet werden, wer für was zuständig ist. Das InEx-Team leitet die Teams-Sitzungen und achtet auf das Einhalten des Plans. Zwischen Kick-off und Closing liegen drei große Themen:
1. Analyse der
2. Kundenprobleme
3. Lösungsvorschlag: Prüfung, ob sich daraus ein wirtschaftlich sinnvolles Geschäftsmodell entwickeln lässt.
Zur Umsetzung der drei Punkte gehören viele einzelne Schritte wie eine Marktanalyse, Gespräche mit den Kunden und die kritische Evaluierung aller Ergebnisse. Immer wieder kann innerhalb der zwölf Wochen ein Punkt kommen, an dem Vorgehensweisen modifiziert werden oder vielleicht sogar die gesamte Idee verworfen wird.