Tradition mit Zukunft

100 Jahre Erfahrung: Daraus will die BU IPG neue Marktpotenziale erschließen. Ein Interview mit Michael Ertl, Leiter der BU IPG.

Herr Ertl, seit 100 Jahren produziert LANXESS in Krefeld-Uerdingen Eisenoxidpigmente nach dem LAUX-Verfahren. Warum ist das so erfolgreich?
Der Erfinder des Verfahrens, Julius Laux, stellte schon vor rund 100 Jahren eine erstaunlich moderne Frage: Was wäre, wenn Abfall kein Abfall wäre? Ausgangspunkt war die Herstellung von Anilin aus Nitrobenzol und Eisenschrott – ein Prozess, der große Mengen Eisenoxid als Nebenprodukt erzeugte. Laux erkannte, dass dieses Eisenoxid unter bestimmten Bedingungen besonders farbstark und rein ist und sich als hochwertiges Pigment eignet. Bis heute gilt das Verfahren als eines der nachhaltigsten zur Herstellung von Eisenoxidpigmenten. Die Kombination aus Kreislaufnutzung von Metallabfällen und energieeffizienten 
Prozessschritten macht den LAUX- Prozess zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.

Sie stellen Pigmente ja aber nicht nur in Deutschland her. Welche Bedeutung hat das globale Produktionsnetzwerk für IPG?
Eine große. Wir haben Standorte auf allen fünf Kontinenten. Hier in Europa verarbeiten wir Pigmente noch in Spanien und England, außerdem in den USA, Brasilien, China und 
Australien. Diese geografische Diversifikation ist ein zentraler Vorteil. Damit sind wir besser lieferfähig und resilienter gegenüber Handelskonflikten, Sanktionen, Exportbeschränkungen, politischer Instabilität oder regionalen Krisen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass auch der Standort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt – insbesondere bei den Energiekosten, die für unsere energieintensive Produktion eine zentrale Rolle spielen. Durch gezielte Investitionen in unsere Anlagen und Prozesse treiben wir die Energieoptimierung daher zusätzlich voran.

100 Jahre Tradition – wo entstehen gerade Innovationen?

Ein breites Anwendungsfeld ist wichtig, um unsere Anlagen auszulasten. Deshalb erschließen wir kontinuierlich neue Märkte – auch über die klassischen farbgebenden Anwendungen hinaus. Ein aktuelles Beispiel ist die Batterietechnologie: Für die Herstellung von Lithium-Eisenphosphat-Batterien können neben Eisenoxiden auch Eisenphosphate genutzt werden. Für das Eisenphosphat entwickelt IPG nach der erfolgreichen Herstellung in der Pilotanlage den großtechnischen Prozess zur Übertragung in den Produktionsbetrieb. Dieser Markt wächst weltweit stark, entsprechend treiben wir die Forschung in diesem Bereich voran. Derzeit werden LFP-Kathodenmaterialien und entsprechende Akkus überwiegend in China produziert. In Europa fehlen bislang ausreichende Kapazitäten – das möchten wir ändern.