Wenn Maschinen flüstern ...
...
hören unsere Experten zu! Wie LANXESS mit KI-basierter Instandhaltung
Anlagenstillstände verhindert, Millionen spart – und seine Betriebe
jetzt noch digitaler macht.
Manchmal
ist es nur ein kleiner Druckabfall im Schmierölsystem, eine sanft
ansteigende Ventilatordrehzahl oder ein unscheinbarer Temperaturanstieg
an einem Pumpenlager. Abweichungen vom normalen Verhalten der Signale,
die kaum wahrnehmbar sind – die aber viel bedeuten können. Bastian
Höfer, Leiter des Bereichs Predictive Maintenance, und sein Team in der
Group Function PTSE haben gelernt, genau diese „Flüstertöne“ zu hören.
Mit einer KI-gestützten Software, moderner Sensorik und tiefen
Einblicken in die Maschinen- und Prozessdaten entdecken sie Probleme,
bevor diese überhaupt entstehen. Nach rund einem Jahr Roll-out zeigt
sich: Dieses frühe Zuhören zahlt sich aus.
Herr Höfer, LANXESS rollt gerade ein Tool für prädiktive Instandhaltung aus. Wo stehen wir da aktuell?
Bastian Höfer:
Etwa ein Drittel aller besonders kritischen Anlagenteile ist
mittlerweile an unser Überwachungssystem angeschlossen – rund 100
Objekte in allen Business Units und nahezu allen Regionen. Wir
fokussieren uns momentan auf große rotierende Maschinen wie Zentrifugen,
Kompressoren oder Rührwerken, weil hier Schäden schnell sehr teuer
werden. Aktuell decken wir im Schnitt ein sich anbahnendes Problem pro
Woche auf – Tendenz steigend.
Was konnten Sie denn bisher erreichen?
Bastian Höfer: Viel:
Rund 40 potenzielle Schäden haben wir bereits rechtzeitig entdeckt.
Viele davon wären ohne unsere Analysen erst aufgefallen, wenn sie
bereits ernsthafte Folgen gehabt hätten. Von Lagerschäden über Leckagen
bis hin zu blockierten Leitungen oder defekten Sensoren war alles dabei.
Und genau diese Vielfalt zeigt die Stärke des Systems: Es erkennt nicht
nur einzelne Fehlerbilder, sondern wirkt wie ein feinmaschiges
Überwachungsnetz. Insgesamt sprechen wir heute über Einsparungen im
siebenstelligen Bereich – ganz zu schweigen von vermiedenen
Lieferausfällen und verärgerten Kunden.
Wie funktioniert die Überwachung denn genau?
Bastian Höfer: Zunächst
mal: Ohne eine robuste Softwareumgebung und eine verlässliche
Dateninfrastruktur funktioniert nichts. Beides liefern die Kollegen aus
der GF IT, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Unser Tool analysiert
dann das Zusammenspiel der Werte für z.B. Strom, Druck, Temperatur und
Schwingungen aus unserem zentralen Datenarchiv (AVEVA PI) und lernt so
sozusagen das „Normalverhalten“ einer Maschine kennen. Weichen Werte
davon ab, schlägt das System Alarm und zeigt uns präzise, welche Signale
die Auffälligkeit ausgelöst haben. Danach beginnt die eigentliche
Teamarbeit: Wir prüfen die Daten, diskutieren sie mit unseren Fachleuten
in den Betrieben und entscheiden gemeinsam, ob und welche Maßnahmen
notwendig sind. Wichtig dabei: Die KI trifft keine Entscheidungen. Sie
liefert Hinweise. Die Expertise unserer Mitarbeitenden bleibt weiterhin
das Maß der Dinge.
Wenn der Roll-out abgeschlossen ist – sehen Sie noch weiteres Potenzial?
Bastian Höfer:
Auf jeden Fall! Wir untersuchen zurzeit gleich mehrere Anwendungsfälle.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Überwachung von Regelventilen. Sie kommen
in hoher Zahl in unseren Anlagen vor, und die dafür vorgesehene
Software kann nicht nur Fehlerarten erkennen, sondern sogar die zu
erwartende Restlebensdauer berechnen. So können wir zukünftig unnötige
Ventilrevisionen sowie ungeplante Stillstände vermeiden. Auch die
Überwachung von Kondensatableitern ist ein sehr gut skalierbarer
Anwendungsfall. Wenn ein Ableiter defekt ist, entweicht unter Umständen
über Wochen unbemerkt Dampf – das führt zu erheblichen Energieverlusten.
Durch die kontinuierliche Überwachung erkennen wir solche Defekte
frühzeitig. Die Investition amortisiert sich in der Regel binnen weniger
Monate. Gleichzeitig leisten wir einen spürbaren Beitrag zur
Energieeffizienz und damit zu mehr Nachhaltigkeit.
Sind unsere Anlagen denn dafür schon digital genug?
Bastian Höfer:
In vielen Fällen ja. Wir haben im zentralen Archiv mittlerweile Zugang
zu den Daten von rund 600.000 Sensoren – eine hervorragende Grundlage.
Bei einigen speziellen Anwendungen müssen wir jedoch zusätzliche
Sensorik installieren, um noch transparenter zu werden. Dazu nutzen wir
eine moderne, drahtlose Technologie, die sich gut integrieren lässt –
ohne große Eingriffe und hohe Kosten. Jeder zusätzliche Sensor erweitert
und verstärkt zugleich das Netzwerk: Wir erhalten nicht nur Zugriff auf
die für die Überwachung relevanten Daten, sondern verpassen zeitgleich
der Digitalisierung in Produktion und Instandhaltung einen kräftigen
Schub.
Was ist Predictive Maintenance?
•
Prädiktive Instandhaltung – oder auch Predictive Maintenance –
bedeutet, Wartungen nicht mehr zu festen Intervallen durchzuführen,
sondern genau dann, wenn die Maschine einen Bedarf signalisiert.
• Dazu analysiert ein KI-gestütztes Tool kontinuierlich Prozess- und Maschinendaten.
Weichen diese Werte vom normalen Betriebsverhalten ab, erkennt das
System frühzeitig mögliche Probleme und gibt eine Warnung aus.
• Die Vorteile:
Ausfälle werden verhindert, Reparaturen können geplant durchgeführt
werden und die Kosten für Stillstände und unnötige Wartung sinken
deutlich.