"Wir wollen etwas bewegen!"
Der
Forschungsleiter für das Thema Direct Air Capture Julian Krischel
spricht im Xpress-Interview über den letzten Schritt: Die neue Rezeptur
aus dem Labor in den Betrieb zu bringen. Denn nur wenn das neue Lewatit®
für die CO2-Filtrierung auch skalierbar ist, öffnet sich für LANXESS
ein neuer großer Zukunftsmarkt.
Zwischen
zwei Terminen mit den Betriebsmeistern kurz ins Labor huschen, das
neueste Kundenfeedback besprechen oder aktuelle Messwerte checken – für
Julian Krischel, Head of Innovative Product Development in der Business
Unit LPT, ist das seit rund einem Jahr Alltag. Er arbeitet mit einem
kleinen Team unter Hochdruck daran, das neu entwickelte Lewatit® zum
Durchbruch zu verhelfen: Ziel ist, dass es CO2aus der Außenluft holt –
dauerhaft, effizient und skalierbar. Sein Büro im traditionsreichen
Gebäude Q18 im Chempark Leverkusen und die Laborflächen, die seinem Team
zur Verfügung stehen, liegen nur ein paar Meter auseinander. „So bleibe
ich ganz nah dran – auch wenn der Kalender voll ist“, sagt er.
Dass
sich die drei Forschenden voll und ganz auf ein einziges Thema
konzentrieren können, empfindet er als großes Privileg – und als hohe
Verantwortung, mit den zur Verfügung gestellten Ressourcen bedacht
umzugehen. „Natürlich fühlen wir eine Verpflichtung, möglichst schnell
Ergebnisse zu liefern“, sagt er. „Zum Glück ist uns das bisher auch sehr
gut gelungen – dank der großartigen Unterstützung, die wir aus dem
Marketing, dem Betrieb, von unseren KI-Experten, aber auch vonseiten der
BU-Leitung bekommen.“ Gerade sind wieder neue Proben von Lewatit®
Aeropure aus dem Betrieb angekommen – für das Team jedes Mal ein Moment
voller Spannung und Erwartung.
Herr Krischel, wie läuft die Skalierung des neuen Lewatits@ im Betrieb?
Julian Krischel:
Es finden gerade die ersten Betriebsversuche statt. Natürlich haben wir
bei der Entwicklung immer schon die Bedingungen im Betrieb im Blick
gehabt, aber das sogenannte „Upscaling“ bringt noch einmal ganz eigene
Herausforderungen mit sich. Statt in Drei-Liter-Kesseln, in denen wir
hier im Labor bisher produziert haben, muss der Prozess jetzt auf
Produktionsanlagen mit mehr als zehn Kubikmetern Fassungsvermögen
übertragen werden. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend – deshalb
sind wir zuversichtlich, dass alles nach Plan läuft.
Die neue Technologie steht noch am Anfang. Wie groß ist ihr Marktpotenzial?
Enorm.
Die politischen Rahmenbedingungen, etwa der CO2-Zertifikat-Handel,
treiben die Nachfrage nach neuen Klimatechnologien. Wir sehen einen
Zukunftsmarkt – gerade in den Direct-Air-Capture-Anlagen –, der gerade
erst entsteht. Und wir wollen von Anfang an mitgestalten. Dabei ist
unsere mehr als 80-jährige Erfahrung mit Ionenaustauschern natürlich
ein echter Vorteil – es gibt bereits viel Know-how aus mehr als 170
Produkten, auf das wir zurückgreifen können. In vielen Märkten gelten
unsere Produkte als Maßstab – das öffnet Türen.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit unserem Kunden?
Sie
ist zentral – und der Ausgangspunkt für jede neue Entwicklung. Denn
jede Anlage funktioniert technisch ein wenig anders oder bringt aufgrund
ihres Standorts und den damit verbundenen äußeren Bedingungen wie
Temperatur oder Luftfeuchtigkeit ganz eigene Anforderungen mit sich.
Aufnahmekapazität, Langlebigkeit, Schnelligkeit – wir definieren
gemeinsam mit unserem Kunden alle Parameter bis ins kleinste Detail und
lassen unser Produkt dann ausgiebig auf Kundenseite testen. Unser Ziel:
ein flexibles Basismaterial entwickeln, das sich mit minimalem Aufwand
an unterschiedliche Einsatzszenarien anpasst.
Wer so lange Zeit so tief in ein Thema einsteigt: Was treibt Sie persönlich an?
Die
Chance, mit Forschung etwas wirklich Relevantes zu bewegen. Unsere
Technologie macht es möglich, CO2 permanent aus der Luft zu entfernen –
ein großer Hebel für ein besseres Klima. Auch das Produkt selbst ist
nachhaltig: Es muss zwar in entsprechenden Zyklen regeneriert werden,
aber unsere Ionenaustauscher sind über einen sehr langen Zeitraum
leistungsfähig. Saubere Luft und sauberes Wasser sind keine
Selbstverständlichkeit – sie sind essenziell für unsere Lebensqualität.
Dazu einen Beitrag zu leisten, ist einfach ein tolles Gefühl.