And the Winner is …
Ideen kamen jede Woche herein, und die Wahl fiel schwer. Doch dann stand fest: Diese drei sind es! Der erste Preis ging an das Liquid Purification Technology-Team mit seiner Innovation zur PFAS-Entfernung. Das Team ist ein Vorbild in Sachen Schnelligkeit, Kooperationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit: Vom ersten Gedanken bis zur Auslieferung des fertigen Produkts vergingen nur zehn Monate, fünf multidisziplinäre Teams waren beteiligt und die Marge machte direkt einen Sprung. Doch auch die beiden anderen Finalisten überzeugten die Jury: die innovative Plattform für Gelenkschmierstoffe der Business Unit Lubricant Additives und das neue Verkaufsmodell „Pay per Liter“ der Business Unit Material Protection Products.
Herzlichen Glückwunsch an alle drei Teams!
… Eine lösung für pfas
Eine Bindung für die Ewigkeit
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Anschließend besprechen sie das Konzept mit Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Forschung, Anwendungstechnik und Produktion. Gemeinsam suchen sie nach praktikablen Wegen – sowohl für ihren Großkunden als auch für LPT. Um die Oberfläche der Polymerkügelchen zu vergrößern, müssen diese verkleinert werden. „Wir haben uns schon gefragt, ob die Kügelchen dann noch genügend Stabilität aufweisen, um das Abwasser durch sie hindurchzudrücken“, sagt Steinhilber. Die Business Unit hatte jedoch bereits beim Einsatz von feinperligen Ionenaustauschern in der Chlor-Alkali-Elektrolyse Erfahrungen gesammelt. Da hatten die kleinen Kügelchen funktioniert. Die Teams in den Laboren in Bitterfeld und Leverkusen legten direkt los und meldeten nach kürzester Zeit: „Wenn die Polymerkügelchen von 0,6 mm auf einen Durchmesser von 0,4 mm verkleinert werden, können sie sogar doppelt so viel PFAS binden.“ Damit produzieren sie nur halb so viel Abfall und sind umweltfreundlicher. Diese PFAS-selektiven Ionenaustauscher aus dem Labor gingen an den Kunden für seine Versuche. „Er war sehr angetan und bestellte direkt drei Chargen“, erzählt Steinhilber. Diese Menge sollte möglichst schnell geliefert werden. Im April hatte Chemours ein Audit mit einer Umweltbehörde in den Niederlanden. Da die Regularien zur PFAS-Entfernung auch dort immer strenger werden, wollte der Kunde in dem Audit belegen, dass er sich erfolgreich um neue Lösungen für das PFAS-Problem bemüht.
Indien war direkt startklar
Das LPT-Team legte direkt los: „Die reinen Polymerkügelchen haben wir in Bitterfeld produziert und dann nach Jhagadia fliegen lassen“, erzählt Steinhilber. An dem Prozess waren fünf multidisziplinäre Teams beteiligt, die sehr agil miteinander arbeiteten. Das indische Team war direkt startklar, als die Polymere eintrafen. Es behandelte sie chemisch, brachte die PFAS-selektiven Gruppen an und ließ sie wieder zurückfliegen. Anfang Januar waren die drei Chargen da. „Das war eine Meisterleistung unserer Logistik“, sagt Lisa Demes, Global Segment Head Specialized Water. Der Großteil ging an Chemours in die Niederlande, der Rest wurde interessierten anderen Kunden als Probe geschickt. „Wir bekamen schon vielversprechende Resonanz.“ Doch wichtiger war, ob die große Charge genauso gut funktionierte wie die Laborprobe. Auch das konnte Chemours bestätigen und meldete sogar, dass sie mehr als doppelt so viel Abwasser reinigen konnten. Der Kunde war extrem zufrieden und sagte von sich aus, dass die LPT-Kugeln denen der Mitbewerber überlegen seien. Sicherlich trug zu diesem positiven Feedback auch bei, dass das LPT-Team den Wünschen von Chemours auf vielen Ebenen entgegenkam. Innerhalb von zehn Monaten war vom ersten Gedanken an diese Ionenaustauscher bis zur Auslieferung der Chargen alles geglückt. Und der Kunde hatte sie vor seinem Audit erhalten.
Das PFAS-Thema ist derzeit noch stark europäisch getrieben. „Hier sehen wir sehr viel Potenzial für unsere PFAS-selektiven Ionenaustauscher“, sagt Demes. Der jetzige Großkunde ist auf sichere Lieferungen bedacht. Die Business Unit will deshalb am liebsten die gesamte Produktion nach Bitterfeld verlegen. „Das würde die Logistik erheblich erleichtern“, so Demes.
Umsatz stark gestiegen
Dieses neue Produkt Lewapole® TP 108 gewann den ersten Preis des Innovation Awards. Es entspricht genau der Idee des Innovation Awards: Ein vorhandenes Produkt wurde in kürzester Zeit dem Kundenwunsch entsprechend verbessert und kann damit ein Vielfaches der durchschnittlichen LANXESS-Margen erzielen. Chemours und LPT haben dafür eng zusammengearbeitet. Der Umsatz konnte durch das neue Produkt deutlich gesteigert werden, weitere Kunden haben schon ihr Interesse angemeldet. Da bleibt nur zu sagen: Bessser geht es wirklich nicht.
… eine Hybride Neuheit
gut geschmiert läuft's rund
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Vereint alle Vorteile
Genau hier setzte das Team der BU LAB an. LAB gehört zu den Marktführern für Schmierstoffe auf Basis von Kalziumsulfatfetten (CSC). Für E-Autos werden jedoch Polyharnstofffette (PU) verwendet. „Doch auch sie sind nicht perfekt“, sagt Kevin Liu, Anwendungstechniker der BU LAB im AADC in Shanghai. Dem Team um Wayne Mockwood, den Leiter der Schmierstoffabteilung der BU LAB in West Hill, Kanada, war schon länger klar, dass bessere Schmierstoffe für die Gleichlaufgelenke der Einstieg in den großen Markt der Elektromobilität – gerade auch im wachsenden chinesischen Markt – sein würden. „Wir wollten die Grundlage für hybride Schmierstoffe entwickeln, die alle Vorteile unserer Kalziumsulfonatfette mit denen der Polyharnstofffette vereint“, erläutert Kevin Liu. Und das ist dem multinationalen Team gelungen: Das Patent für seinen neuen CSC-PU-Hybrid wurde kürzlich angemeldet. Große E-Autohersteller wie der chinesische Konzern BYD testen ihn nun in der Praxis. „Bis Ende dieses Jahres sollten alle Tests abgeschlossen sein“, sagt Liu. Er und seine Kolleginnen und Kollegen sind optimistisch, dass sich ihr Hybrid durchsetzen wird. Wayne Mackwood sieht das genauso: „Wir bieten außergewöhnlichen Verschleißschutz, geringe Geräuschentwicklung, niedrige Reibung und eine lange Lebensdauer für Gleichlaufgelenke. Unsere CSC-PU-Schmierstoffe bewältigen die höhere Belastung durch das Gewicht und das Drehmoment von Elektrofahrzeugen, wo herkömmliche Fette versagen. So wollen wir uns auf Dauer als einer der führenden Hersteller für Gelenkschmierstoffe in dem Segment der E-Fahrzeuge positionieren.“
Doch damit nicht genug. Su Mi Beack,
Leiterin des Produktmanagements für Transportadditive, sieht weitere
Anwendungsmöglichkeiten: „Diese Schmierstofftechnologie dient als Plattform,
auf der wir Formulierungen für spezifische Anwendungen maßschneidern können.
Unsere Technologie- und Vertriebsteams in China sind bereits dabei, mit solch
speziell zugeschnittenen Produkten in der Stahlherstellung Fuß zu fassen. Auch
in der Schmierung von industriellen Elektromotoren sehen wir Potenzial.“ Sie
selbst nutzte mit ihrem Team die Reise zur Preisver-
leihung nach Deutschland, um mit potenziellen Kunden in Köln und Duisburg zu
sprechen.
Mackwood ist überzeugt, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Kollegen aus Kanada, den USA und China vielversprechend ist: „Es ist sogar denkbar, diese neue Plattform mit biobasierten oder anderen nachhaltigen Materialien aufzubauen.“
Für seine Kollegin Sarah Korwek, Global Product Managerin, ist jedoch eines klar: „Ohne diese Neuentwicklung von LAB wären uns all diese Schlüsselindustrien verschlossen geblieben – und damit auch ein großer Wachstumsbereich in einem zukunftsweisenden Segment.“
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… ein Neues Verkaufsmodell Wie Geld die Beziehung festigt |
LANXESS klagte natürlich und bekam auch irgendwann Recht. Aber zu dem Zeitpunkt gab es schon wieder einen neuen Nachahmer. „Diese unfairen Mitbewerber wollten unseren patentgeschützten Markt besetzen, indem sie ihre Kopie von Velcorin® in unser aufgebautes und betriebenes Ökosystem – Dosierpumpen, Serviceinfrastruktur, Regulatorik – vertreiben. Somit hätte der Wettbewerber sein Produkt deutlich günster anbieten können, weil er keine Kosten für das Ökosystem aufwenden müsste, während wir das System erhalten. Hiervor mussten und müssen wir uns besser schützen“, sagt Matthias Hüttl, Leiter des Marktbereichs Beverage & Food, BU MPP. Hinzu kommt, dass das Patent für Velcorin® 2027 ausläuft. Dann kann es jeder im Markt anbieten, wie er will.
Service forciert
Bis dahin verkaufte die BU ihren Kunden eine Dosieranlage und half ihnen bei der Schulung des Personals, damit die Zugabe von Velcorin® zu Fruchtsäften, Weinen oder isotonischen Sportgetränken auch perfekt klappt. Gleiches galt für das natürliche Konservierungsmittel Nagardo®. „Gerade Velcorin® ist anfangs ein Zusatz, der Erklärungsbedarf hat. Deshalb verleihen wir auch unsere Dosieranlagen, damit die Kunden erst einmal selbst Erfahrungen damit sammeln können.“ Die mit Velcorin® und Nagardo® einhergehende Serviceleistung brachte das Team schließlich auf die Idee des Verkaufsmodells „Pay per Liter“. In anderen Industriebereichen gibt es ähnliche Modelle schon lange. Man denke etwa an Drucker oder Kopierer.
Mit dem neuen Modell erhält der Kunde die gesamte Leistung der Dosierung. Ihm wird die Anlage zur Verfügung gestellt und über die internetfähige Dosieranlage erhält MPP auch die Verbrauchsdaten des Kunden. Der Kunde legt im Voraus fest, wie viele Getränke er mit dem Kaltentkeimer versetzen möchte. Die MPP-Kollegen errechnen den Bedarf und nennen dem Kunden einen monatlichen Abschlag, ähnlich wie es ein Stromanbieter macht. Produziert der Kunde nichts, muss er auch nichts zahlen. Auch hohe Investitionskosten für eine eigene Anlage fallen für ihn weg. „Unser Pilotkunde in den USA war so begeistert von dem Prinzip, dass er ein weiteres Getränk mit Velcorin® versetzte“, erzählt Hüttl. Wer nicht das volle Servicepaket von MPP möchte, kann die Anlage auch leihen. „Der Vorteil für uns ist: Wenn der Kunde zu einem anderen Anbieter wechseln möchte, nehmen wir unsere Anlage zurück und stellen unseren Service ein. Da wir den gesamten Prozess steuern, würden wir auch sofort sehen, wenn der Kunde das Produkt eines Mitbewerbers kauft.“ Dann wird die Anlage abgebaut. So hofft das Team, alle strategisch wichtigen Kunden an sich zu binden – selbst wenn das Patent abgelaufen ist.
„Das größte Problem bei der Einführung war eher bürokratischer Natur. So fragte unsere Accounting-Abteilung etwa: Was ist beim Komplettangebot Service- und was Produktpreis? Diese Frage ist für die Finanzämter in vielen Ländern wichtig. Zudem war unser SAP-System etwas überfordert.“
Andere anregen
Das Team hat sich um den Innovation Award beworben und gehört zu den drei Finalisten. „Wir freuen uns sehr darüber und wollen gleichzeitig zeigen, dass ein neues Verkaufsmodell neue Chancen der Kundenbindung bietet. Vielleicht regen wir Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Situationen dazu an, es auch damit zu versuchen“, so Hüttl.