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Was
will der Kunde? Welche Produkte oder Dienstleistungen haben das
Potenzial, dem Kunden und LANXESS in Zukunft wirtschaftliches Wachstum
zu ermöglichen? Wie findet der Konzern genau diese Produkte oder
Services? Die Antwort kann nur lauten: durch den intensiven Austausch
mit den
Kunden und eine genaue Marktanalyse. Doch wo befindet sich LANXESS in diesem Prozess?
Auf Spurensuche.
Jahrzehntelang
war es unser Fokus, unsere Anlagen zu optimieren und ihre Effizienz zu
steigern. „Diese Ziele dürfen wir auch jetzt nicht aus den Augen
verlieren“, sagt Vorstandsvorsitzender Matthias Zachert. Doch
gleichzeitig fordert er ein Umdenken von allen Mitarbeitenden: „Wir
müssen unseren Fokus ändern – hin zum Kunden. Wir wollen ein
wissensbasiertes, innovationsgetriebenes Unternehmen werden, das Märkte
und Kunden permanent im Blick hat und für sie passgenaue, margenstarke
Angebote entwickelt.“ Um diesen Wandel bestmöglich zu gestalten, wurde
innerhalb von Business Excellence der Stream Commercial Excellence
gegründet. Die Erkenntnisse dieses Streams werden nun in das Unternehmen
getragen und weiterentwickelt. Roy van Griensven, der den Stream
leitet, sagt: „Nur mit einem tiefen Verständnis der Märkte und der
Kunden sind wir in der Lage, neue Geschäftsmöglichkeiten zu
identifizieren und unsere Angebote zu differenzieren.“ Genau darum geht
es: mit maßgeschneiderten Produkten und Dienstleistungen die Marge
nachhaltig zu steigern und LANXESS damit unabhängiger von
konjunkturellen Schwankungen zu machen.
Xpress hat sich im
Konzern umgehört und festgestellt, dass in vielen Bereichen bereits
einiges auf den Weg gebracht wurde. So entwickelt die Business Unit
Material Production Products (BU MPP) auf Anregung von Kunden neue
Produkte. Die Business Units Rhein Chemie (BU RCH) und Lubricant
Additives Business (BU LAB) intensivieren die Kundenbeziehungen durch
Meetings, Seminare und Workshops. Die Business Unit Liquid Purification
Technologies (BU LPT) setzt aufgrund ihrer erklärungsbedürftigen
Produkte schon seit jeher auf eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden.
Vom Kunden ausgezeichnet
So
hat etwa die BU RCH das Thema Kundennähe für den japanischen
Reifenhersteller Bridgestone offensichtlich sehr gut umgesetzt.
Bridgestone zeichnete LANXESS als einen von sechs strategischen
Lieferanten aus. Dabei bewertete das Unternehmen weltweit alle
Lieferanten. Vertreter der BU RCH, die Bridgestone mit
Kautschukadditiven beliefert, wurden daraufhin in die Konzernzentrale
nach Japan eingeladen. Ein Gegenbesuch in Leverkusen und in der Kölner
Zentrale folgte im April. „Über diese Wertschätzung unseres Kunden
freuen wir uns natürlich sehr“, so Holger Graf, Leiter der Business Line
Functional Tire Additives bei RCH.
Auf den persönlichen
Austausch und Kontakt setzt auch die BU LAB. Mit einem Seminar für rund
100 bestehende und potenzielle Kunden zum flammabwehrenden
Produktportfolio Reolube® konnte die Business Unit im vergangenen Jahr
ihre Verkaufszahlen sogar in der Region China steigern. „Nach dem
Seminar kamen spürbar mehr Aufträge herein“, sagt Colin Zhang,
Regionalleiter der BU LAB. Einen Grund für den Erfolg sieht er in den
externen Experten, die auf dem Seminar referierten. „Dadurch wurde es zu
einer Art Workshop, bei dem wertvolles Wissen ausgetauscht wurde.“ Das
Reolube®-Produktportfolio hat sich beim Einsatz bei Turbinen von
Kraftwerken sowie in verschiedenen industriellen Anwendungen wie
Abfallverbrennung, Recycling, Papierherstellung, Petrochemie,
Stahlherstellung und vielen anderen Bereichen bewährt.
Innovation auf Kundenwunsch
Etwas
weniger persönlich, aber ebenfalls kundenorientiert, geht die BU MPP
der Frage nach, welche neuen Produkte oder Anwendungen auf dem Markt
gefragt sind. „Als wir eine Kundenanfrage nach alternativen Chemikalien
für die Haushaltspflege und Textilien erhielten, war uns schnell klar,
dass unsere Oxone® eine Möglichkeit sein könnten“, erzählt
Anwendungsleiterin Hannah Nowotarski aus Wilmington. Oxone® werden seit
über 60 Jahren in Memphis hergestellt und zur Reinigung von
Schwimmbädern, Elektronik und Mundpflegeprodukten eingesetzt. „In den
letzten Jahren haben wir viele neue Anwendungen für unser Produkt
gefunden. Nun wollten wir es auch im Haushalt einsetzen“, sagt Kelly
Board, Anwendungsleiterin aus Sudbury in Großbritannien. Nach weiteren
Kundenbefragungen stellte sich heraus, dass die Fleckentfernung bei
niedrigen Temperaturen ein geeigneter Anwendungsbereich für Oxone® sein
könnte. Die Kunden wollen Kosten sparen und nachhaltig handeln. Beim
Waschen entstehen mehr als 60 Prozent der CO2-Emissionen durch die
Erwärmung des Wassers. Mit der Oxone®-Chemie lassen sich selbst
hartnäckige Flecken bei niedrigen Temperaturen entfernen, ohne das
umliegende Gewebe stark zu belasten.
„Zu diesen Ergebnissen sind
wir durch die Zusammenarbeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen in
Singapur und in Großbritannien gekommen“, sagt Ethan Solomon,
Anwendungsleiter aus Wilmington. Das Team in Singapur – geleitet von
Melvin Tan und Adrian Cheong – entwickelte ein System mit Protokollen,
das es erlaubte, die Fleckenentfernung schnell zu messen und zu
beurteilen. Das Team in Wilmington führte die Tests mit branchenüblichen
Laborgeräten für Wäschereien durch, die normalerweise der
Silvadur®-Technologie vorbehalten sind. „Unsere Zusammenarbeit hat
hervorragend funktioniert. Jetzt wollen wir unsere neue Anwendung auf
den Markt bringen. Wir führen auch vielversprechende Gespräche mit
Konsumgüterherstellern“, so Solomon weiter.
Im Trend von „Clean Cosmetics“
Auch
Janna Eggert, Head of Marketing Communication, BU MPP, und ihre
Kolleginnen Melanie Keck, Technical Application Manager, sowie Vivien
Konetzky, Global Product Manager, können auf vielversprechende Kontakte
für ihr neues Konservierungsmittel Neolone® PH Max verweisen. Das
globale Hygiene-&-Care-Team hat das neu formulierte
Konservierungsmittel für Körperpflegeprodukte auf der international
größten Fachmesse für Kosmetik- und Körperpflegeprodukte in Amsterdam
vorgestellt. „Nach dem Fachvortrag unseres Kollegen Ziang Li war das
Interesse groß“, erzählt Janna Eggert. Die ersten Muster für Kunden sind
bereits herausgegangen, weitere stehen bereit.
Neolone® PH Max
basiert auf dem klassischen Konservierungsmittel Phenoxyethanol, das
eine hohe antimikrobielle Wirkung bei guter Hautverträglichkeit zeigt,
sowie auf Pelargonsäure, einer multifunktionalen Substanz, die aus
Sonnenblumenöl gewonnen wird. Dieser neue Booster sorgt unter anderem
dafür, dass weniger Phenoxyethanol eingesetzt werden muss. Neolone® PH
Max zeichnet sich durch eine geringe Toxizität aus, wirkt nicht
sensibilisierend und ist dennoch effektiv gegen Bakterien und Pilze. Er
ist einfach anzuwenden und eignet sich für viele Cremes, Lotionen und
Seren. „Für unsere Kunden ist es sehr günstig, dass sie es meist in ihre
bestehenden Formulierungen einsetzen können“, sagt Keck. Ein Vorteil,
den die Kunden zu schätzen wissen und der das Portfolio von MPP in
dieser Produktfamilie weiter abrundet.
Neben dem klassischen
Konservierungsmittel „Neolone® PH 100 Preservative“ auf Basis von
Phenoxyethanol bietet die Business Unit MPP auch das nachhaltige
„Neolone® BioG Preservative“ an. „Beide Produkte werden von unseren
Kunden geschätzt“, sagt Eggert. Das nachhaltige Konservierungsmittel
entspricht dem Wunsch vieler Endkunden, ist aber natürlich etwas
preisintensiver als ein herkömmliches Produkt. Zudem lässt es sich
aufgrund seiner Zusammensetzung meist nicht einfach in eine bestehende
Rezeptur einarbeiten. „Am besten ist es, das Produkt gleich zu Beginn
einer neuen, nachhaltigen Produktentwicklung als Konservierungsmittel
einzusetzen“, sagt Keck. Es gebe bereits große Kunden, die mit dem
nachhaltigen Konservierungsmittel an neuen Produkten arbeiten.
„Hier
unterstützen wir natürlich diese Entwicklungsarbeit und stellen Muster
zur Verfügung“, sagt Keck. Man setzt auf eine langfristige
Kundenbindung. Doch dafür braucht das Team einen langen Atem:
Produktentwicklungen können mehrere Jahre dauern. „Auch bei unserem
Neolone® PH Max war das so“, sagt Keck. Viele Vorschriften, die
Regulatorik, neue Bestimmungen und die geforderten
Unbedenklichkeitsstudien gehörten zur Forschungsarbeit“, sagt Keck. „Am
Ende muss unser Konservierungsmittel unter all diesen Bedingungen in den
unterschiedlichsten Formulierungen trotzdem perfekt funktionieren.“ Auf
sein neues Konservierungsmittel ist das globale Hygiene-&
Care-Team stolz. Es ist nicht so preisintensiv wie Neolone® BioG
Preservative, sondern liegt im mittleren Preissegment. Zudem sei der
Trend der Kunden zu „Clean Cosmetics“ – also weniger Inhaltsstoffe, aber
mehr Leistung – ungebrochen. „Auch diesen Endkundenwunsch erfüllen wir
mit unserem Booster in Neolone® PH Max“, sagt Janna Eggert.
Ohne intensive Kundenberatung kein Geschäft
„Dass
wir unsere Produkte auf den Hof liefern und der Auftrag damit erledigt
ist, das hat es bei uns noch nie gegeben“, sagt Nadja Hermsdorf,
Business Development & Applications, BU LPT. Sie arbeitet seit über
zehn Jahren im Lebensmittelbereich der BU LPT und weiß: „Unsere Kunden
entscheiden sich auch deshalb für uns, weil wir einen Rundum-Service
bieten.“ Sie kennt ihre Kunden, sei es aus der Zucker- oder
Getränkeindustrie oder die Hersteller von Süßstoffen auf Stärkebasis in
aller Welt. „Wir stehen ihnen zur Seite, auch wenn sie ihre Anlage zum
Beispiel erweitern oder gar eine neue bauen wollen.“ Ihr Alltag, sagt
sie, dreht sich zum größten Teil um die Wünsche, Probleme und Fragen der
Kunden. Denn die Ionenaustauscher, mit denen sehr viele Rohstoffe für
die Lebensmittelindustrie gereinigt werden, sind kompliziert in der
Anwendung. „Wenn Kunden unsere Ionenaustauscher kaufen und dann mit dem
Ergebnis nicht zufrieden sind, haben wir ein Problem. Wir müssen sie so
schulen, dass sie mit unseren Produkten das optimale Ergebnis erzielen.“
Das sei natürlich nicht immer einfach. Für die wichtigsten Kunden macht
sie in Absprache mit den Vertriebskollegen auch schon mal Seminare vor
Ort. „Das sind dann natürlich unsere A-Kunden.“ Diese haben wiederum
mehrere Standorte auf der ganzen Welt und schicken ihre Mitarbeiter –
wie Prozessingenieure und Anlagenbetreiber – zu den Seminaren.
„Um
einen größeren Kundenstamm zu erreichen, bieten wir auch
Online-Seminare an“, so Hermsdorf. Besonders groß war das Interesse an
den Schulungen zum
LewaPlus®-Modul für die Lebensmittelentsalzung in
den Regionen Amerika, EMEA und APAC. Mithilfe des Moduls können Kunden
ihre Entsalzungsanlagen für Lebensmittel überprüfen und neue
Anlagenbereiche entwickeln. Es ermöglicht ihnen, die Einstellungen zu
optimieren und so Abfall, Chemikalien oder den Wasserverbrauch zu
reduzieren. „Bei dem letzten Webinar zählten wir unter den 97
Teilnehmern 66 neue Kontakte“, erzählt Hermsdorf. Die Kontakte zu den
großen Kunden zu stärken und zu den neuen aufzubauen, gelingt mit dem
Know-how-Transfer, von dem auch die Kunden profitieren.
Aufgrund
der engen Kundenbindung und der Erklärungsbedürftigkeit von
Ionenaustauschern war die Zeit der Corona-Pandemie extrem schwierig. Der
ausschließliche Kontakt über „Teams“ kann ein persönliches Treffen
nicht ersetzen. Da sich Messen nicht immer lohnen, veranstaltet LPT
immer wieder weltweit Face-to-Face-Treffen. So wird im August dieses
Jahres zum dritten Mal ein Zucker-Seminar gemeinsam mit dem Distributor
in Thailand stattfinden. „Nach solchen Treffen fällt jedes virtuelle
Gespräch viel leichter“, sagt Hermsdorf. Die Kunden schätzen die
direkten Begegnungen so sehr, dass sie sogar bereit sind, einen kleinen
Beitrag dafür zu zahlen. So geschehen vor eineinhalb Jahren. Im Kölner
Tower kamen dazu 36 Teilnehmer von 21 Unternehmen aus 11 Ländern
zusammen. Neben Forschenden und Ingenieuren der Direktkunden und
Distributoren nahmen auch die wichtigsten Anlagenbauer und
Meinungsbildner des Anwendungsbereichs teil. „Eigentlich sind diese
Begegnungen am wertvollsten“, sagt Hermsdorf. „Im Gespräch kommt einfach
viel mehr rüber, als wenn man alles über ‚Teams‘ macht.“ Und für
LANXESS sind keine Kosten entstanden.
Selbstverständlich
entstehen aus all den Begegnungen mit den Kunden auch neue Ideen für
Produkte oder Dienstleistungen. „Aber vieles stellt sich als zu
aufwändig heraus. Teilweise müssten wir die Produktionsanlagen umbauen,
um die neuen Ideen umzusetzen“, sagt Hermsdorf. Dann stellt sich sofort
die Frage: Welches Potenzial hätte eine solche Innovation? Wann würde
sie sich rechnen? Ist sie zukunftsorientiert? Die Business Unit führt
regelmäßig Innovationsworkshops durch. Am letzten im Februar nahmen rund
30 Kollegen aus den Bereichen Labor, Anwendungstechnik und Forschung
teil. „Am Ende hatten wir drei vielversprechende neue Ideen, die wir
weiterverfolgt haben“, so Hermsdorf. Sollte einmal eine besonders
bahnbrechende Idee dabei sein, könnte man sich nun auch um das
Innovationsbudget bewerben.