Das neue weisse Gold heben

Selbst in Deutschland finden sich Lithiumvorkommen: Ein Team der BU LPT will es heben und forscht an geeigneten Lösungen. Dafür wurden ihm jetzt staatliche Fördergelder bewilligt. Nicht nur da zeigen die Initiativen vom Innovation Excellence Stream Wirkung: So unterstützt der Vorstand attraktive Forschungsvorhaben, und in Thane hat CEO Matthias Zachert das neue Indian Application Development Center eröffnet.


Den Boden bereiten, damit sich Ideen perfekt entwickeln können. Das ist ein Ziel, das Innovation Excellence verfolgt und dabei schon erste Erfolge verzeichnet. So forscht die Business Unit LPT in Leverkusen an bestimmten Adsorbern bzw. Ionenaustauschern, die Lithium an sich binden sollen. „Dazu steht gerade ein Screening nach geeigneten Materialien an“, erläutert Stefan Neufeind, Head of Business Development and Applications, BU LPT. Das Projekt hat nun Aufwind bekommen, weil im Dezember letzten Jahres Forschungsgelder bewilligt wurden. Im Rahmen eines von den Wirtschaftsministerien des Bundes und des Landes NRW geförderten Projektes mit dem Titel „Lokale integrierte Batteriewertschöpfung für europäische Unabhängigkeit“ („LiB-EU") hatte LANXESS sich mit mehreren Forschungsprojekten beworben. „Uns war sofort klar, dass unser Projekt perfekt passt“, sagt Neufeind. Denn die Adsorber sollen kleinste Lithiummengen aus geothermischen Solen extrahieren. Diese Solen werden in geothermischen Kraftwerken des Oberrheingrabens in Süddeutschland zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt. Im Vergleich etwa zu den Salzseesolen des Salar de Atacama in Chile ist die Lithium-Konzentration in Süddeutschland mehr als zehnmal niedriger. „Würde man jedoch diese Lithiumvorkommen, die als ‚Beifang‘ bei der Wärmeerzeugung bislang ungenutzt zurück in die Erde gepumpt werden, hierzulande heben, könnten wir am Ende einen signifikanten lokalen Beitrag zur Lithiumnachfrage leisten“, erläutert Neufeind. Das überzeugte wohl auch die Jury, die über die Forschungsgeldvergabe entschied. Schließlich will man die Elektromobilität vorantreiben und gleichzeitig unabhängiger von Lithiumlieferanten anderer Weltregionen werden. LANXESS bekam zu einem zweistelligen Millionenbetrag fast die Hälfte als Forschungsgelder bewilligt. „Für uns ist das natürlich ein großer Erfolg“, sagt Ratha Anton, die das Forschungsprojekt als Ganzes aus der betriebswirtschaftlichen Sicht leitet. Doch wie immer steckt der Teufel im Detail.  „Die derzeit auf dem Markt verfügbaren Adsorber weisen einen sehr hohen Verschleiß auf. Diese Schwachstelle haben wir erkannt und suchen nun Materialien mit einer längeren Lebensdauer und höheren Stabilität“, sagt Neufeind. Ziel sei es, einen Adsorber zu entwickeln, dem es gelingt, auch im großtechnischen Rahmen aus geothermalen Salzsolen Lithium direkt zu extrahieren. „Wir setzen darauf, am Ende – und das heißt bis 2029 – eine großtechnische Anlage zu bauen.“ Schließlich wäre solch ein Adsorber auch beim Recycling von Lithium-Batterien äußerst wertvoll. Parallel hat LPT noch ein weiteres bewilligtes Forschungsprojekt. Dabei geht es darum, in einem nachhaltigen Verfahren Säurefänger und Selektivaustauscher herzustellen, die umweltschonend Störstoffe aus zu recycelnden Batteriechemikalien fischen.

„Wir haben neben der BU LPT noch PLA und die Group Function Corporate Development mit im Boot“, sagt Ratha Anton. Bei einem weiteren  bewilligten Projekt geht es darum, Europa unabhängig von Phosphorimporten zu machen – und zwar durch Recycling. Mit einem
LANXESS-eigenen Prozess, der gerade entwickelt wird, soll kosteneffizient und energetisch optimiert Phosphor wiedergewonnen werden. Es gibt einige Interessenten, die eine Lösung für dieses wichtige Problem suchen. Auch die Kolleginnen  und Kollegen von PLA setzen auf das so gewonnene Phosphor, das sie dann in ihre neuen, noch in der Entwicklung befindlichen phoshorbasierten Flammschutzmittel für Elektrofahrzeuge einsetzen könnten. Für die Umsetzung des Projekts sucht man nun einen strategischen Partner. Für Ratha Anton haben die Zusagen zu den LANXESS-Forschungsprojekten gezeigt: „Man setzt auf uns, erkennt unsere Innovationskraft und schreibt uns eine wichtige Rolle in der Branche zu. Wir sind stolz darauf, einen wichtigen Beitrag zur Batteriewertschöpfungskette und zur Rohstoffsicherheit Europas zu leisten.“

Ein anderer Ansatzpunkt vom Innovation Excellence Stream, um die Innovationskraft bei LANXESS mit optimalen Strukturen zu verbessern, sind die neuen Innovation Hubs weltweit. Vorbild ist das AADC in Shanghai, jüngst kam ein zweites in Thane, Indien (IADC), hinzu. Es sollen noch eines in Leverkusen, Deutschland, und in den USA folgen. Wer für lokale Märkte Lösungen entwickelt, sollte möglichst vor Ort sein. Denn nur so sind sich verändernde Markttrends frühzeitig zu erkennen und lassen sich rasch maßgeschneiderte Lösungen für den lokalen Markt entwickeln. „Gleichzeitig fördert das IADC ein organisches, innovationsgetriebenes Wachstum“, sagte CEO Matthias Zachert bei der Einweihung in Thane. Vom Start weg forschen dort die beiden Business Units LAB und MPP, künftig werden sich wohl auch die BUs IPG und PLA dort niederlassen. Die Group Function PTSE richtet im IADC für alle Business Units ihr zentrales Analytikzentrum ein. Dort entwickelte Lösungen können so schnell geprüft werden. Denn schließlich ist auch das ein Grund für die neuen Hubs: Lösungen sollen schnell in den Markt kommen. Dafür ist es ideal, direkt lokal reagieren zu können und die Entwicklung mit dem zeitnahen Kundenfeedback optimiert zu fahren. Kein Kunde will lange auf eine Innovation warten. Und damit er auch sieht, wie ernst es LANXESS damit ist, wurde direkt im IADC auch das Customer Experience Center untergebracht. Kundengespräche finden neben den Laboren statt. „Das ist Forschen zum Anfassen“, sagt Balaran Khot, Leiter PTSE in Indien.


Info
Lithium in Deutschland
Im Oberrheingraben und im Erzgebirge liegen die größten Lithiumvorkommen in Deutschland. Gerade am Oberrheingraben spülen Geothermie-Kraftwerke als Beifang Lithium aus 3.000 Metern Tiefe an die Oberfläche. Die BU LPT forscht an den perfekten Adsorbern, die das begehrte Leichtmetall extrahieren.