Wenn's SMAART läuft

Seit nun schon über einem Jahr gehört in den meisten Betrieben von Saltigo eine neue App zum Arbeitsalltag – SMAART. Sie optimiert Prozesse und steigert die Anlagenkapazität deutlich. Wie das geht, erläutert der Ideengeber Julian Stiller.

An Sterne-Köchen fasziniert vieles, doch eines lässt immer wieder staunen: Wie schaffen sie es, ihre so individuell anmutenden Kunstwerke vielen Gästen in der exakt selben Minute zu servieren? „Diese Köche haben auf jeden Fall die Taktzeiten in ihren Herstellungsprozessen aufs Höchste optimiert“, vermutet Julian Stiller, in der Business Unit Saltigo für „Kontinuierliche Verbesserungen“ zuständig. Klingt einleuchtend: Ist jeder kleinste Arbeitsschritt im Ablauf perfektioniert, sinkt die Zeit für die Zubereitung des ganzen Gerichts.

Stiller weiß, wovon er spricht, denn er beschäftigt sich intensiv mit der Frage der optimierten Taktzeiten bei den chemischen Prozessen in den SGO-Betrieben. Das gehört natürlich zum Alltag eines jeden Produktionsteams. Aber Stiller war es, der vor drei Jahren dachte: Wir brauchen eine eigene App. Sie soll uns sekundenschnell ein Ranking von den Apparaten aufführen, die innerhalb eines Prozesses für eine Optimierung am wichtigsten sind. Und sie sollte darüber hinaus auch noch deutlich machen, welche Verfahrensschritte in den Apparaten die größte Bedeutung haben. So könnte man auf einen Blick sehen, wo man zur Taktzeitoptimierung ansetzen müsste. Unser Sterne-Koch würde mit solch einer App vielleicht sehen, dass die Zubereitung des Fonds den größten Einfluss auf den zeitlichen Ablauf des gesamten Gerichts hat. Denn der Fond dauert lange, und er braucht ihn für mehrere weitere Arbeitsschritte. Könnte er diesen Vorgang optimieren, ginge alles andere schneller.

Julian Stiller setzte den Werksstudenten Tobias Siekmann darauf an, die App zu programmieren. Denn das kam noch hinzu: In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten musste das Projekt mit interner Man-
power klappen. Bald lag eine erste Version vor. Matthias Grabowski, Prozessmanager Chemie im FFK-Betrieb Leverkusen, testete sie: „Auch wenn die Pilotversion noch etwas wackelte, habe ich sofort ihr Potenzial erkannt“, erinnert er sich. Heute wackelt nichts mehr: die App ist fertig und wurde SMAART getauft – die smarte Abkürzung für das Akronym: Standardisierte Methode zur Automatisierten Analyse und Reduktion von Taktzeiten. Grabowski will die App nicht mehr missen: „Ich nutze sie täglich, um mir einen Überblick über den Prozess zu verschaffen und Verbesserungen anzustoßen“. Einige der durch SMAART aufgedeckten Potenziale ahnten Prozessexperten schon vorher, zahlreiche andere fielen erst durch SMAART auf. „Eine Sache etwa sprang durch die App ins Auge“, erzählt Stiller. Bei einem bestimmten Prozess muss eine Substanz auf 70 Grad herabgekühlt sein, damit sie in einen anderen Apparat überführt werden kann. Durch SMAART fiel auf, dass die Überführung sich oft verzögerte, manchmal um bis zu drei Stunden. Schlimmer noch: War die Temperatur erst einmal unter 65 Grad gesunken, heizte sich der Apparat vor der Überführung erst wieder auf – eine echte Energieverschwendung. SMAART wies auf die relevante Prozessstelle hin, und die Kollegen hatten direkt eine passende Lösung parat. „Das ist ein typisches Beispiel dafür, dass SMAART eine zuvor nicht vorhandene Transparenz schafft“, sagte Stiller. In diesem Fall musste lediglich eine Temperatur im Rezept angepasst werden, ein Aufwand von Minuten. Toll sei an der App auch, dass solche Optimierungen messbar seien. So kann das Team nachjustieren.

Die Vorzüge der App sprachen sich schnell herum: „Viele waren neugierig und wollten sie ausprobieren“, erzählt Stiller. Diesen Moment nutzten er und sein Team und boten regelmäßige Schulungen an. „Sie sind der Schlüssel unseres Erfolgs“, meint Stiller. Die Teammitglieder bieten auch kurze Schulungen an, die nicht jede Feinheit vermitteln. „So binden wir sehr viele ein.“ Das ist gelungen: Mehr als 150 Mitarbeitende vom stellvertretenden Schichtcoach bis zum Prozessexperten oder Projektleiter nutzen die App.

„Mittlerweile sind zwölf der wichtigsten SGO-Produkte in der App integriert“, sagt Boris Bosch, Head of Project Portfolio and Execution. „Wir machen weiter, bis alle relevanten Produkte in SMAART verfügbar sind.“ Zum Entwicklerteam gehören seit einem Jahr auch Marcel Dembek und Rasit Faller aus der GF IT. „Sie unterstützen uns super“, so Stiller. Acht der zehn SGO-Betriebe verwenden die App bereits. Die Vorbereitungen für die verbleibenden zwei Betriebe laufen.  

Und der Kollege hat noch weitere Ideen für Verbesserungen: Die nächste App des BU-übergreifenden Teams ist schon in der Pilotphase – sie heißt SMAILE. Mehr will Stiller aber noch nicht verraten.



Die Erfolge der APP auf einen Blick!
Durch die Optimierung mit SMAART konnte die Anlagenkapazität in sieben Taktzeitprojekten um 10 bis 34 Prozent gesteigert werden. Die so erzielten höheren Produktionsmengen konnten an die Kunden weitergegeben werden.„SMAART hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Julian Stiller. „Und das Beste ist, dass diese Innovation sich prinzipiell auf  alle   Batchprozesse   skalieren lässt." Erste Anrufe von anderen Business Units hat er schon erhalten.