Sicher verhandeln
Wie
steht es um meine Verhandlungsposition? Welche Folgen hat sie für
meinen Vertrag? Was muss drinstehen? Eine Toolbox hilft dem Sales- und
Marketingteam, Fragen wie diese zu klären.
Kundenverträge
sollen hieb- und stichfest sein und gleichzeitig möglichst günstig für
LANXESS ausfallen – um diese beiden Kernziele zu erreichen, gibt es nun
eine ziemlich ausgefuchste Toolbox. Entwickelt wurde sie von einem
interdisziplinären Team innerhalb des Commercial Excellence Streams. Und
dass es hier direkt ans Eingemachte geht, klingt schon an, wenn Stefan
Marquart, GF DEV und Leiter des Projekts Contract Management, die Ziele
der Toolbox formuliert: „Wir wollen mit unserer Toolbox den Umgang mit
Verträgen professionalisieren und so den kommerziellen Wert der
Kundenverträge maximieren.“ Und natürlich sollen nicht nur neue
Verträge sicherer, klarer und für LANXESS vorteilhafter werden, auch bei
Vertragsverlängerungen oder -änderungen soll die Toolbox zu Rate
gezogen werden. „Auch hier gibt es meist noch Optimierungspotenzial“,
sagt Teammitglied Maike Krewet, GF LEX.
Für
diesen ambitionierten Ansatz nahm sich das Team gemeinsam mit
Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen BUs die Inhalte der größten
und wichtigsten Kundenverträge von LANXESS vor. Daraus stellten sie Best
Practices zusammen. Darüber hinaus haben sie häufig gestellte Fragen
zur Bedeutung und Funktion einzelner Vertragsbestandteile aufgegriffen
und als Know-how-Nuggets in die Toolbox integriert.
Wer nun die
Toolbox verwendet, macht sich erst einmal seine Verhandlungsposition
klar: Ist sie eher schlecht, ausgewogen oder gut? Dabei spielen die
Aspekte der Angebots- und Nachfragesituation sowie die Preissensibilität
des Kunden eine entscheidende Rolle. Ist die eigene Verhandlungsstärke
bzw. -schwäche klar, hilft mir die Toolbox bei der konkreten
Ausgestaltung der wichtigsten Vertragselemente mit einem Vorschlag. So
wird beispielsweise bei einer schlechten Verhandlungsposition eine kurze
Vertragslaufzeit von einem Jahr als ideal empfohlen. So können die
Konditionen im kommenden Jahr aus einer hoffentlich besseren
Verhandlungsposition dann neu verhandelt und auch verbessert werden.
Die
Toolbox ist auch eine Checkliste: Schritt für Schritt können die
einzelnen Elemente eines Kundenvertrages wie Preis- und Preisanpassungsmechanismen,
Mindestabnahmemengen und Konsequenzen bei deren Nichteinhaltung oder
Bestellmodalitäten, Vertragslaufzeiten und Haftungsregelungen und vieles
mehr für den individuellen Vertrag gestaltet und optimiert werden. Um
die Abstimmung bei der Vertragsgestaltung zwischen den Business Units
und der Rechtsabteilung effizienter zu machen, wurden die Elemente der
Toolbox und deren Auswahlmöglichkeiten eng mit dem überarbeiteten Muster
des deutschen bzw. europäischen Kundenvertrages abgestimmt. „Toolbox
und Vertragsmuster greifen nun wie Zahnräder ineinander“, sagt Julian
Korb aus Sicht der Rechtsabteilung. Auch für die USA ist die Toolbox
bereits anwendbar. APAC, Indien und Brasilien werden folgen.
Die
Toolbox ist bereits im Einsatz, auch die Einführungsveranstaltungen für
die BU-, Sales- und Marketing-Leiter haben schon stattgefunden.
Intensivere Trainings für Mitarbeitende mit Sales- bzw.
Marketing-Funktion werden bis Ende des Jahres folgen. Danach ist die
Verwendung der Toolbox beim Abschluss von Neuverträgen sowie bei
Vertragsverlängerungen und -änderungen verpflichtend. Sollten Fragen bei
der täglichen Anwendung auftauchen: Die Kolleginnen und Kollegen von
der Rechtsabteilung stehen mit Rat und Tat zur Seite.
Das
Projektteam unterstützt auch die Bestrebung der Rechtsabteilung zur
Einführung einer Contract Management Software. Sie soll die Inhalte der
Toolbox abbilden und den Vertragsentwurf dann in den meisten Fällen
automatisch erstellen. Neben der Zeitersparnis würde eine solche
Software auch helfen, finanzielle Risiken zu minimieren. Wie das geht?
Mit der Hilfe von KI. Sie überprüft automatisch, ob der Kunde die
Vertragsbestimmungen einhält, und macht rechtzeitig auf drohende
Einnahmeverluste aufmerksam. Mit dieser und weiteren Funktionen soll das
EBIT über mehrere Jahre um mindestens 20 Millionen Euro verbessert
werden.
Doch bei aller Systematik und dem bevorstehenden Einsatz
einer hochintelligenten Software bleibt eines klar: Verträge werden
individuell mit dem Kunden geschlossen. Die Sales-Verantwortlichen in
den BUs wissen um den sensiblen Moment, sie kennen ihr Gegenüber, können
am besten einschätzen, was in welcher Konstellation möglich ist und was
sich trotz aller Risiken vielleicht doch für die BU lohnt. „Letztlich
trifft diese Entscheidung der Kollege mit seiner BU“, gibt Marquart zu
bedenken. Denn es gebe immer Einflussfaktoren, die jenseits eines
Modells oder einer Checkliste liegen. „Hauptsache, wir treffen unsere
Entscheidungen bewusst.“
Zitat:
Best Practice mit der neuen Toolbox
„Ich finde das Tool rundum gelungen. Wir können dann schnell und effizient prüfen, ob alle relevanten Regelungen in einem Vertragsentwurf enthalten sind. Darüber hinaus unterstützt die Toolbox die strukturierte und effiziente Zusammenarbeit zwischen BU und LEX – sowohl hier in Deutschland als auch mit den US-Kolleginnen und -Kollegen. In Verhandlungen stehen immer die beiden Fragen im Fokus: Was will ich haben? Und was kann ich durchsetzen? Sich über seine eigene Verhandlungsposition klar zu sein, ist dabei sehr wichtig. Die Toolbox kann auch dabei helfen.“
Anna Schmidtlein-Hellmann,Global Marketing Director, Chlorobenzenes & Derivatives, BU AII