Alte Chemie, neue Energie


Ein Prozess wie aus dem Chemielehrbuch macht den Mesamoll-Betrieb der Business Unit PLA in Krefeld-Uerdingen seit 75 Jahren zum weltweit führenden Hersteller von hochwertigen Weichmachern. Diese sorgen dafür, dass Kunststoffe elastisch und flexibel bleiben, ohne dabei Mensch und Umwelt zu gefährden.

Wer den Wannensaal von Gebäude L32, das Herzstück der Mesamoll-Produktion im Chempark Krefeld-Uerdingen, betritt, ist erst einmal beeindruckt: Knapp 700 Leuchtstoffröhren tauchen den Raum in eine besondere Lichtatmosphäre. Die Lampen sind aber nicht dazu da, um den Arbeitsplatz der rund 70 Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu verschönern, sondern haben eine essentielle Rolle in der Herstellung des Produkts. „Wir nutzen die Energie des Lichts, um in den Produktwannen unsere Reaktion in Gang zu setzen“, erläutert Produktionsmitarbeiter Semol Bastürk, der gerade die Dichte einer Produktprobe ermittelt.

Der wichtigste Prozesschritt bei der Herstellung von Mesamoll ist die sogenannte Sulfochlorierung, also die Reaktion von Paraffin mit Schwefeldioxid und Chlorgas. „Da wir die Energie des Lichts nutzen, ist dies schon bei niedriger Temperatur möglich“, erläutert Betriebsleiter Oliver Grotkopp. Die clevere Lösung zeigt, dass der komplexe Prozess, der vor mehr als 75 Jahren entwickelt wurde, immer noch State-of-the-Art ist. „Wir sind als Anbieter von phthalatfreien Weichmachern quasi konkurrenzlos auf dem Weltmarkt“, berichtet Grotkopp stolz. „Damit ist unser Produkt auch für den Einsatz in lebensmittelnahen Produkten oder in Babyartikeln und Spielzeugen geeignet.“

Alternative aus Uerdingen
Der große Vorteil von Mesamoll: Es diffundiert nicht aus und bleibt fast unbegrenzt lange im Produkt, um diesem seine positiven Eigenschaften wie Flexibilität oder Wetterbeständigkeit zu verleihen. Bei phthalathaltigen Produkten, die in der Produktion deutlich günstiger sind, ist das anders. „Wer schonmal in einem 1-Euro-Shop auf der Suche nach Schnäppchen war oder ein Paket aus Übersee geöffnet hat, kennt wahrscheinlich den unangenehmen, beißenden Geruch“, erläutert HSEQ-Leiter Joachim Setzepfandt. „Dieser entsteht, wenn sich Weichmacher aus dem Produkt lösen und  zersetzen, was mit Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt verbunden sein kann.“

Ende der 90er Jahre gerieten Phthalate aufgrund ihrer fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften erstmals ins Visier der EU und wurden seitdem teilweise verboten oder in der Verwendung eingeschränkt. „Von der dadurch stärkeren Nachfrage nach einem unbedenklichen Produkt konnten wir natürlich profitieren und so auch in wirtschaftlich herausfordernde Zeiten die Preise für unser Produkt stabil halten“, so Setzepfandt weiter.

Dass sich das Team seit einem Dreivierteljahrhundert mit dem gleichen Produkt im Markt behauptet, liegt aber auch daran, dass LANXESS kontinuierlich in den Betrieb investiert hat. „Ob technische Verbesserungen im Produktionsprozess, mehr Automatisierung zur Entlastung der Belegschaft oder Maßnahmen für den Umweltschutz: Mit all den größeren und kleineren Optimierungen, die wir bereits umgesetzt haben oder an denen wir aktuell arbeiten, wollen wir als Störfallbetrieb nicht nur allen gesetzlichen Auflagen entsprechen, sondern auch so effizient wie möglich produzieren“, sagt Betriebsleiter Grotkopp. Ein Beispiel dafür ist ein Projekt, das Miriam Bührle, seit knapp einem Jahr 2. Betriebsleiterin vor Ort, vorantreibt. „Wir haben gerade erfolgreich die erste Testphase abgeschlossen, um die Leuchtstoffröhren in unseren Reaktionswannen gegen moderne LEDs auszutauschen“, erläutert sie. Was im heimischen Wohnzimmer keine große Sache wäre, ist in einer Chemieanlage natürlich deutlich komplexer. „Da sich die Röhre im Produkt befindet, müssen wir sicherstellen, dass es hier zu keinerlei Beeinflussung unserer Reaktion kommt“, erläutert Bührle. Mit der Umstellung, mit der der Betrieb einer neuen Auflage der EU nachkommt, soll gleichzeitig die Umweltbilanz weiter verbessert werden. Denn die neuen LEDs sparen Energie.

Überhaupt wird das Thema Klima- und Umweltschutz immer wichtiger. „Seit rund einem Jahr bieten wir ausschließlich eine nachhaltigere Variante von Mesamoll an“, berichtet die Betriebsleiterin. Durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe wurde der CO2-Fußabdruck des Produkts um rund 20 Prozent verringert. „Damit erzielen wir bereits einen deutlich besseren Wert als die meisten anderen Weichmacher im Markt“, freut sich Bührle.

Das Team hat sich aber zu noch höheren Zielen verpflichtet: „Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Anbieter, der uns unseren wichtigsten Rohstoff Paraffin in Bio-Qualität liefern kann“, sagt Bührle. „Damit könnten wir dann nochmal einen großen Hebel umsetzen“. Auch nach 75 Jahren weht also noch viel frischer Wind um das alte Backsteingemäuer.


Infoboxen:

75 Jahre erfolgreiche ProduktionMesamoll wird seit August 1949 in Gebäude L32 im Chempark Krefeld-Uerdingen hergestellt.
Seit rund einem Jahr produziert LANXESS seinen Weichmacher auf Basis nachhaltiger Rohstoffe und somit mit einem deutlich verringerten CO2-Fußabdruck. Die Produktqualität und Leistung von Mesamoll bleibt dabei unverändert hoch.
Insgesamt wurden in den vergangenen 75 Jahren ca. 1,35 Millionen Tonnen Mesamoll hergestellt.


Was ist Mesamoll?

Mesamoll wird in der Verarbeitung von Kunststoffen eingesetzt. Seine Aufgabe ist es aus einem harten und spröden Ausgangsstoff wie beispielsweise Polyvinylchlorid (PVC), ein weiches und flexibles Material zu machen, das auch Sonne, Wärme und Feuchtigkeit standhält. Eingesetzt wird Mesamoll beispielsweise in Wasserbetten, Stand Up Paddles, Dichtstoffen oder Bodenbeläge.