"Wir produzieren energiearm und hocheffizient!"
Seit
Anfang des Jahres produziert die Business Unit Polymer Additives am
Standort Trafford Park im Nordwesten Englands den Weichmacher Uniplex
214®. Der Technische Betriebsleiter Steve Paschke erzählt, was alles mit
der Einführung des Neuprodukts einherging.
Herr Paschke, wie läuft die Produktion von Uniplex 214®?
Steve
Paschke: Ziemlich gut, wir produzieren seit Anfang des Jahres größere
Chargen für unsere Hauptkunden und erwarten, dass wir bis Ende des
Jahres unter Volllast produzieren können.
Warum erst Ende des Jahres?
Die
chemische Industrie ist sehr konservativ, wenn es um Veränderungen
geht. Bereits minimale Abweichungen von der Spezifikation oder
Modifikationen im Herstellungsprozess können Auswirkungen auf die
Endprodukte, die Umwelt und Gesundheit haben – und rufen manchmal auch
Kundenreaktionen hervor. Wir haben das Produkt von unserem früheren
Standort in Greensboro, USA, übernommen. Das ist eine Chance für uns
hier! Mit der Übernahme der Produktion von Uniplex 214® sind wir nicht
nur einer der größten Hersteller weltweit, sondern können auch unseren
wichtigsten Markt Europa direkt bedienen. Zunächst haben die Kunden in
ihren Labors geprüft, ob wir das Produkt hier in der gleichen Qualität
herstellen können. Jetzt produzieren wir größere Mustermengen. Die
Kunden prüfen, ob sich das Material genauso verarbeiten lässt und die
Endprodukte die gleiche Qualität aufweisen.
Was kann Uniplex 214®, dass es so begehrt ist?
Es
verbessert die Flexibilität von Kunststoffen bei niedrigen
Temperaturen. Zudem verbessert es die Verarbeitbarkeit. Das Additiv wird
insbesondere bei der Herstellung der Hochleistungskunststoffe Polyamid
11 und Polyamid 12 eingesetzt. Unsere Kunden haben zuletzt in diese
Anwendungen investiert, da erwartet wird, dass die Nachfrage in diesem
Bereich stabil bleibt oder sogar wächst. Polyamid 12 dient im Automobil-
und Leichtbau häufig als Ersatz für Stahl und ist somit auch im Bereich
der Elektromobilität sehr gut positioniert. Zusätzlich kommt dieser
Hochleistungskunststoff auch in anderen Zukunftstechnologien vor,
beispielsweise im 3D-Druck.
Musste für Uniplex 214® viel umgebaut oder neu errichtet werden?
Ja,
für unseren Standort, war das Projekt mit einem Investitionsvolumen von
rund 8 Millionen Euro eines der größten der letzten Jahrzehnte. Wir
konnten glücklicherweise viele vorhandene Anlagenteile nutzen, mussten
aber auch in neue Verrohrungen, Prozessleittechnik und einen großen
neuen Reaktor investieren. Allein für die Planung und Montage der neuen
Anlagenteile wurden rund 50.000 Arbeitsstunden benötigt.
Sie sind der technischer Betriebsleiter. Lief alles glatt?
Die
Bedingungen, unter denen das Projekt geplant und abgewickelt wurde,
lassen sich sicherlich als herausfordernd bezeichnen. Zum einen begann
die Planungsphase in dem Pandemiejahr 2020. Aufgrund des Lockdowns und
den damit verbundenen strikten Reise- und Kontaktbeschränkungen konnten
hier viele wichtige Fragen mit den zuständigen PTSE-Kollegen,
Ingenieuren und Prozessexperten nur online oder per Mail besprochen
werden. Für ein Projekt dieser Größe sind normalerweise persönliche
Besprechungen und Rundgänge vor Ort zwingend erforderlich.
Zum
anderen gab es am Standort Änderungen in den Verantwortungsbereichen,
und einige Know-how-Träger haben das Unternehmen verlassen. Aber: Am
Ende hat alles geklappt, worauf das Projektteam und der Standort stolz
sind.
Warum war das Produkt für Sie so eine Chance?
Die
Produktion von Uniplex 214® liefert einen wichtigen Beitrag zur
Auslastung des Standorts. Nach dem Wegfall der Produktion der
Wasserzusatzstoffe für British Water wurde ein Teil der
Anlagenkomponenten stillgelegt. Mit der Produktion des für uns neuen
Weichmachers können wir unser Produktionsvolumen signifikant steigern.
Wir haben zwar schon vorher wirtschaftlich produziert, doch das neue
Produkt sichert den Produktionsstandort langfristig. Aufgrund weiterer
Investitionen in die Prozessleittechnik und in den Aufbau einer
zentralen Messwarte kann die neue Anlage mit bleibender Schichtstärke
gefahren werden. Da wir bestehende Anlagenteile wieder nutzen, wird hier
ein interessanter Business Case realisiert. Zusätzlich ist das
Herstellungsverfahren nicht sehr energieintensiv, so dass der Einfluss
von steigenden Energiepreisen auf die Gesamtkosten im Vergleich zu
anderen Produkten relativ gering ist.
Informationsbox:
Industriepark mit Tradition
Trafford
Park im Nordwesten Englands war der erste geplante Industriepark der
Welt. Verkehrsgünstig in der Nähe von Manchester gelegen, wurde der rund
6,5 Hektar große LANXESS-Standort innerhalb des 1.200 Hektar großen
Industrieparks am Heiligabend 1939 als „The Geigy Colour Company
Limited“ in Betrieb genommen. Seit der Übernahme von Chemtura gehört der
Standort zur Business Unit Polymer Additives und produziert
phosphorbasierte Flammschutzmittel, die als Additive für Kunststoffe in
einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt werden. Die Additive schützen
nicht nur wirksam vor Bränden, sondern sorgen auch für eine gute
Verarbeitbarkeit und erhöhte Elastizität der entsprechenden Kunststoffe.
Phosphorsäureester finden sich auch in Additiven für Schmierstoffe und
Hydraulikflüssigkeiten, die von der Business Unit Lubricant Additives
Business vermarktet werden. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion beträgt
rund 60 Prozent.
Die Lohnfertigung von Wasserchemikalien für
British Water wurde aufgrund der Übernahme von British Water durch
Italmatch eingestellt. Jüngstes Produkt ist der Weichmacher Uniplex
214®, der vom verkauften Standort in Greensboro (USA) übernommen wurde.
In Trafford Park wird im Schichtbetrieb 24 Stunden lang an 7 Tagen
gearbeitet. 69 Mitarbeitende sind am Standort beschäftigt.