FREUNDE? Ravi, du bist Experte für Künstliche Intelligenz bei LANXESS. Ein sehr komplexes Thema. Kannst du kurz erklären, was KI überhaupt ist? Ravi: Einfach zusammengefasst: KI ist so etwas wie ein persönlicher Assistent, der mich im Alltag bei meinen Entscheidungen und Problemlösungen unterstützen kann. Das fängt an bei Tools wie Google Maps, die uns den schnellsten Weg zum Ziel vor- schlagen, oder der persönlichen Watchlist bei meinem Streaming-Dienstleister. Ihr volles Potenzial entfaltet KI allerdings, wenn es darum geht, aus einer Menge von Daten das passende Muster zu entdecken. Denn darin liegt ihre größte Stärke: Sie kann deut- lich schneller und besser analysieren als ein Mensch. Kann KI denn tatsächlich alles wissen und alles machen? Ravi: Wichtig ist zu verstehen, dass eine KI immer nur so gut ist wie die Daten, die ihr als Grundlage zur Verfügung gestellt wer- den. Dabei geht es um die Datenqualität genauso wie um die Datenquantität. Hin- ter ChatGPT steht ein Datenvolumen von 45 Terabyte, mit denen das Tool gefüttert und trainiert wurde. Das ist eine unfassbar große Menge, die dazu führt, dass wir den- ken, dass das Tool wirklich scheinbar alles weiß. An ihre Grenzen kommt KI aber im- mer noch, wenn es um kreative Leistungen geht. Wäre die Aufgabe, ein Bild zu malen, würde KI immer den Stil bekannter Künst- lerinnen und Künstler imitieren und könnte nicht wirklich etwas eigenes entwickeln. für Welche Rolle spielt KI denn LANXESS? Ravi: KI ist für uns in der IT natürlich schon lange ein interessantes Thema. Und es gibt bereits einige gute Beispiele in der Pro- duktentwicklung, wo sie erfolgreich zum Einsatz kommt (siehe Fokus-Story). Seit dem Start von ChatGPT hat das Thema aber noch mal deutlich an Fahrt aufgenom- men. Wir bekommen Anfragen aus den BUs und GFs zu dem Thema und informieren in Awareness Sessions über aktuelle Entwick- lungen. Derzeit arbeiten wir auch schon an einigen Prototypen – beispielsweise für Pro- im Vertragswesen, zess-Verbesserungen RAVINDRA HEGDE, Group Function IT bei der Entwicklung von Produkt-Chatbots für unsere Kunden oder der Daten-Extrahie- rung und Zusammenfassung. Unser Motto dabei: Try and fail fast. Wir arbeiten immer mit kleinen, erreichbaren Zielen, um schnell eruieren zu können, ob ein Projekt weiter- verfolgt werden soll oder nicht. Aufwand und Nutzen müssen da in einem guten Ver- hältnis stehen. Wird es denn so etwas wie ein eigenes ChatGPT für LANXESS geben? Ravi: Das hängt davon ab, wie viel Zeit und Geld wir künftig in dieses Thema ste- cken wollen. Sicherlich wird es auch große Projekte geben, bei denen wir ein eigenes KI-Modell entwickeln. An diesem Punkt ste- hen wir aber aktuell noch nicht und gehen daher erst mal den weniger aufwendigen Weg: Wir schauen uns die Tools an, die gro- ße Anbieter wie Apple, Google und Micro- soft auf den Markt bringen, und überlegen, wie wir diese sinnvoll kombinieren kön- nen, um eine Aufgabenstellung zu lösen. Der eine Super-Computer, der alles weiß – genau das ist KI nämlich aktuell noch nicht. Zunächst ist also noch jede Menge menschliche Denkleistung erforderlich, be- vor die Maschine anfangen kann zu denken. Muss ich mir denn keine Sorgen machen, dass KI irgendwann meinen Job übernimmt? Ravi: Natürlich wird sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren durch KI verändern. Neue Industrien und Job-Beschreibungen werden entstehen. KI wird für uns alle ein fester Begleiter in unserem Arbeitsalltag werden, der uns Aufgaben abnehmen kann, die uns sonst viel Zeit kosten würden. So können wir uns besser auf unsere eigent- lichen Kompetenzen konzentrieren. Damit das funktioniert, ist es wichtig, offen für die neue Technologie zu sein und zu lernen, damit umzugehen. Wer sich in das Thema einarbeiten möchte, dem kann ich die Trai- nings zum Thema „Prompt Engineering“ bei LinkedIn Learning empfehlen. Oder schau- en Sie mal in unserer AI-Community in MS Teams vorbei. Wer Interesse hat, den Ein- satz von KI in seinem Arbeitsgebiet prüfen zu lassen. kann sich darüber hinaus immer gerne an mich oder mein Team wenden. ChatGPT: Dos and Don’ts Um ChatGPT zu nutzen, gehen Sie auf https://chat.openai.com. Dort können Sie einen Account mit Ihrer LANXESS-E-Mail-Adresse erstellen. l l l l Laden Sie keine persönlichen Daten oder LANXESS-interne Daten in das Tool hoch. Das gilt auch für Mails, Übersetzungen, Zusammenfassungen von Meetings usw. Das Tool speichert alle Daten, um künftig damit zu trainieren. Vertrauen Sie der KI nicht. Versuchen Sie immer, die Antwort zu überprüfen. Verbinden Sie ChatGPT und andere Tools nicht unautorisiert mit internen LANXESS- Systemen und nutzen Sie die Tools nicht auf ihrem LANXESS-Mobilgerät (Ach- tung: Betrugs-Apps!) Da sich ChatGPT und andere AI-Tools kontinuierlich weiter- entwickeln, informiert die IT darüber. Aktuelles finden Sie in der AI-Community in MS Teams. 03.2023 | Xpress 15